Aldous Harding: Die neue Indie-Queen?

Wer sich für Musik abseits des Mainstreams interessiert, hat die Frau spätestens seit Mitte des Jahres 2017 auf dem musikalischen Radar.

Aldous Harding - Haldern Pop Festival 2017-2
© Martin Schumann / Wikipedia [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons
Da veröffentlichte die neuseeländische Singer-Songwriterin Aldous Harding ihr zweites Album „Party“. Produziert vom PJ-Harvey-Gitarristen John Parish schaffte es die Platte in kurzer Zeit zum Erfolg. So gut wie alle Musikmagazine feierten Harding als neue PJ Harvey und wählten das Werk zu einer der besten Platten des Jahres 2017.

Dunkelheit umgibt sie

Das verwundert auf den ersten Blick, schließlich ist Aldous Hardings Musik in der Dunkelheit zu Hause. Die düsteren und melancholischen Songs benötigen Zeit, um sich vollends zu entfalten. Die Künstlerin selbst bezeichnet ihre Musik als Folk Noir. Das trifft den Kern der Sache tatsächlich auf den Punkt. Der ironische Titel „Party“ ist so ziemlich das Gegenteil dessen, was den Hörer dabei erwartet.

Bereits ihre Mutter war Folksängerin, entdeckt wurde Aldous Harding als Straßenmusikerin. 2014 erschien ihr gleichnamiges Debütalbum, das auf Anhieb mit neun wunderschönen Melodien überzeugte. Die Platte wurde ursprünglich nur in Neuseeland veröffentlicht, doch die Liedersammlung reichte aus, um auf sich aufmerksam zu machen.

Das musikalische Überleben im Underground wird schwieriger

Die MP3-Revolution und der damit einhergehende dramatische Rückgang der Verkaufszahlen von CDs hat vor allem die Indie-Szene hart getroffen. Anders als Straßenkünstler werden viele Musiker, die abseits der Charts ihre Songs verkaufen, nicht direkt und sofort für ihre Kunst bezahlt. Doch genau wie Straßenmusiker wie beispielsweise duo müssen auch Sängerinnen wie Aldous Harding darauf achten, dass ihre Bezahlung nicht einfach verschwindet. Während das Geld auf der Straße gestohlen werden kann, sind die illegalen Downloads ein großes Problem für Musiker geworden. Die Abgeltung für ihre Arbeit bleibt auf der Strecke. Große Stars haben es da leichter. Sie holen ihren Verdienstentgang über die stark gestiegenen Ticketpreise für Live-Konzerte zumindest teilweise wieder herein. Künstlern wie Aldous Harding, die sich abseits des Mainstreams bewegen, fehlt dazu der Markt.

Nicht nur Straßenmusiker, sondern auch die Stars der Musikszene verdienen heute einen Großteil ihrer Einnahmen mit Live-Konzerten. Die musikalischen Underdogs haben keine großen Sponsoren für ihre Tourneen und müssen die Kosten oft selbst tragen. All diese Widrigkeiten hatten jedoch in der Vergangenheit keinen Einfluss auf die Musik von Harding. Sie pflegt nach wie vor die Attitüde von Künstlern, die auf der Straße aufspielen und steht zu 100 % hinter ihrer Kunst. Eine Anpassung an die möglichen Erwartungen von Plattenfirma und Fans ist bisher ausgeblieben. Die Umsetzung ihrer Vision steht für Aldous Harding im Mittelpunkt ihrer Arbeit, Kompromisse sind nicht vorgesehen.

Große Vorbilder

Aldous Harding ist im Folk zu Hause, auch wenn sie die Musikrichtung längst in ihre eigene Richtung weiterentwickelt hat. Vom unschuldigen Mädchen zum Monster und retour. Was bei ihren Live-Konzerten während der letzten Tournee bei manchen Besuchern und Kritikern für Verstörung sorgte, ist bei Harding Programm. Die Vergleiche mit den großen Vorbildern wie Kate Bush und PJ Harvey kommen nicht von ungefähr. Auch Aldous Harding setzt ihre künstlerischen Visionen, sei es auf der Bühne oder auf Platte, konsequent und unbeirrt um. Als Nachfolgerin der britischen Underground-Queen PJ Harvey sieht sie sich selbst nicht, wie sie immer wieder in Interviews betont.

Ganz unschuldig an den Vergleichen ist sie jedoch nicht. Schließlich hat Harveys langjähriger musikalischer Partner John Parish das hochgelobte Werk „Party“ produziert und das hört man. Die Neuseeländerin revanchierte sich 2018 folgerichtig mit einem Gastauftritt auf dessen Soloalbum und nun geht es gemeinsam daran, die dritte Platte auf Schiene zu bringen.
Derzeit steht Aldous Harding mit ihrem Förderer John Parish im Studio und nimmt ihr drittes Album auf. Die Hingabe an ihre Musik ging so weit, dass Harding längst bekannt gegebene Konzerttermine kurzfristig abgesagt hat, um sich ganz auf die Aufnahmen konzentrieren zu können. Doch es besteht kein Grund zur Sorge.

Aldous Harding
Bruce Baker [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Der erste Konzerttermin ist bereits fix

Die Platte wird voraussichtlich im Frühjahr des Jahres 2019 erscheinen, danach geht die Sängerin wieder auf Tour. Die Fans in Deutschland haben Grund zur Freude. Aldous Harding kommt am 12. Mai 2019 für ein exklusives Konzert in den Privatclub nach Berlin. Karten für den Auftritt sind bereits erhältlich. Bleibt zu hoffen, dass in den nächsten Wochen weitere Konzerttermine für Deutschland folgen. Wer sich live auf das musikalische Experiment Aldous Harding einlässt, den erwartet eine theatralische Inszenierung, die auf nichts und niemanden Rücksicht nimmt und gerade deshalb so fasziniert.