Die Industrialisierung des Entertainments ist abgeschlossen

„Der Untergang der Musikindustrie begann mit der Umwandlung in Aktiengesellschaften. Statt den Gründern, denen die Werke ihrer Künstler am Herzen lagen, waren plötzlich anonyme Manager am Werk. Sie schielten ausschließlich auf die nächsten Quartalsergebnisse, dabei schien es egal, ob sie Kunst oder Waschmittel verkauften“.

Mit dieser Diagnose sollte der ehemalige, legendäre Gründer des deutschen Plattenlabels Motor Music Recht behalten. Er selbst war nach der Übernahme seines Unternehmens durch den Entertainment Riesen Universal Music in deren Management gewechselt und verließ den Konzern nach Meinungsverschiedenheit über die richtige Behandlung deutscher Künstler.

Erfolg, und das sofort

Wo Künstler vor Jahrzehnten noch sorgsam über Jahre hinweg aufgebaut wurden und sie künstlerischen Freiraum genossen, zählt heute nur ein Hit und das sofort bei der ersten Veröffentlichung. Dieser Grundsatz hat sich in alle Bereiche des Entertainments eingeschlichen. Ob Buch, Musik, Film oder eine TV-Serie, wer nicht blitzartig liefert, dessen Karriere ist vorbei. Das hat dazu geführt, dass alle „Produkte“ mit nie gekanntem Aufwand promotet werden.

Wo Musik vor rund 20 Jahren in streng abgegrenzten Communities gehört wurde, ist die Grenzüberschreitung heute geradezu Programm geworden. Wer heute noch seinen Lebensstil über die Filme, die er sieht, oder die Musik, die er hört, oder die Bücher, die er liest, definiert, wird bestenfalls schief angesehen. Entertainment hat alle Bereiche des täglichen Lebens vollständig durchdrungen und erfasst. Sportler, Models und Gamer sind die neuen Popstars dieser Welt. Der Aufstieg von Social Media hat Andy Warhols berühmte Prophezeiung aus 1969 Realität werden lassen: „In Zukunft wird jeder 15 Minuten lang berühmt sein“.

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Von der Lebenseinstellung zum Konsumprodukt

Die Musik, die Mods, oder Rockabillys in den 80er und 90er Jahren noch stolz für alle sichtbar als das „Schwarze Gold Vinyl“ durch die Straßen trugen, dudelt heute in jedem Supermarkt vor sich hin. Waren beispielsweise Rammstein in ihren Gründerjahren noch eine verpönte Skandalband, die von zahlreichen Medien offensiv „bekämpft“ wurden, so verkauft Deutschlands erfolgreichster Rockexport mittlerweile eine komplette Europa-Tournee mit mehr als 800.000 Tickets innerhalb einer Stunde aus. Das passiert zu Ticketpreisen, die noch vor rund fünf Jahren undenkbar waren. Die Riffs von Rammstein sind seit Jahren sogar fixer Bestandteil von Werbespots und TV-Teasern. Die Rebellen von einst haben längst ihren Platz in den Klatschkolumnen dieser Welt gefunden.

Der Underground ist gesellschaftsfähig geworden

Zwei Endvierziger beschließen eines Tages Musik zu machen, und alles, was sie dazu benötigen, sind ein Mikrophon und ein altes Notebook. Das erinnert in seiner Attitüde nicht umsonst an die große Zeit des Punks. Was jedoch früher zu einem Aufschrei des Establishments geführt hat, ist heute große Kunst. Zumindest, wenn es nach den Kulturredaktionen der alteingesessenen großen Medien geht.

Die Sleaford Mods sind zu einer Zeit aufgetaucht, als der Siegeszug von MP3 längst in vollem Gange war. Die Geburt digitaler Musik im Fraunhofer Institut stellte die Unterhaltungsindustrie vor eine Herausforderung, von der sie sich bis heute nicht erholt hat. Ganz im Gegenteil. Die Digitalisierung ist im letzten Jahrzehnt in alle Bereiche vorgedrungen. Bücher werden am E-Reader gelesen, Musik heruntergeladen oder auf Portalen wie Spotify gestreamt. TV-Serien und Filme sind diesen Beispielen ebenfalls gefolgt, so gut wie jede Form der Unterhaltung ist interaktiv und digital geworden. Selbst Tischspiele haben infolgedessen Einzug auf Smartphones und Tablets gehalten und liegen dort neben Filmen, Musik und Büchern, so wie früher analog, im Regal. So kann man im Online-Casino von Betway Tischspiele wie Black Jack oder Poker jederzeit digital spielen.

Damit fügt sich Betway in eine Reihe von Firmen ein, die uns Sport, Filme, Musik und Wetten jederzeit zugänglich machen. Amazon mit seinen E-Readern, Spotify und Netflix mit ihren gewaltigen Musik- und Film-Bibliotheken und die großen Sportsender dieser Welt haben Stück um Stück die Popkultur von ihren analogen Fesseln befreit. Was mit der MP3-Revolution begann, hat die Welt der Unterhaltung und Kultur zu einem kleinen digitalen Dorf gemacht.

Bands wie die Sleaford Mods profitieren davon. Was früher wohl kaum den Weg aus dem eigenen Viertel geschafft hätte, ist heute weltweit gefragt und beliebt. Dem Duo aus Nottingham sind die CD-Verkäufe offenbar egal. Sie holen ihre Gagen über gut besuchte Tourneen und entsprechende Ticket-Preise wieder rein. Und so ist selbst der derzeit bekannteste Punk Englands, Sänger Jason Williamson, längst in ein Nobelviertel seiner Heimatstadt Nottingham gezogen, wie er wie er in einem Interview mit der Zeit freimütig zugab. Dort stört sich niemand an dem rhetorischen Rüpel. Er konnte seine Schimpfkanonaden durch die Industrialisierung der Unterhaltungsindustrie in bare Münze verwandeln.

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Es gibt noch Hoffnung

Dass Kunst anderen Regeln als Kommerz folgt, konnte man vor einigen Jahren am Beispiel der berühmten Beatles-Plattenfirma EMI verfolgen. Das Unternehmen stand 2010 am Rande der Pleite. Die Schwierigkeiten hatten mit der Übernahme des Traditionsunternehmens durch eine Beteiligungsgesellschaft 2007 begonnen. Ausgerechnet der Manager eines Haushaltsreiniger-Herstellers sollte EMI sanieren, das ging schief. Nicht nur Experten stellten sich die Frage, wie eine Plattenfirma mit Rechten an den Songs der Beatles, Pink Floyd, Coldplay, Queen und Robbie Williams überhaupt in so eine Lage geraten konnte. 2011 ging sie, als eine der ehemals vier größten Plattenfirmen der Welt, im Universal-Konzern auf und ist seither Geschichte. Ihr Fall beweist, das Größe und Kommerz alleine noch lange keinen langfristigen Erfolg sichern.

Die technologische Entwicklung und die Kommerzialisierung sowie die damit einhergehende Industrialisierung der Entertainment-Industrie haben Künstlern gewaltige Möglichkeiten und Märkte eröffnet. Damit aus einer Eintagsfliege eine lange und erfolgreiche Karriere wird, gehört aber offensichtlich mehr, als die Erfahrung beim Verkauf von Waschmitteln.