Laibach setzen ihre Serie von Single-Veröffentlichungen mit dem bombastischen neuen Song „Die Kanone“ fort. Dabei handelt es sich um ihre Interpretation von „Top“ (deutsch: „Die Kanone“), einer Single der Folk-Rockband Bijelo Dugme aus dem Jahr 1974, der populärsten und kommerziell erfolgreichsten Band in der Geschichte des ehemaligen Jugoslawiens.

Das Zusammentreffen der beiden Balkan-Titanen entstand auf Einladung des Songwriters Goran BregoviÄ, dem kreativen Kopf hinter Bijelo Dugme, anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Band. Der Track ist im Wesentlichen ein Mash-up beider Gruppen, die einst als völlig unvereinbar galten, sowohl was den Sound als auch was ihre künstlerische Philosophie betrifft.
In „Die Kanone“ channeln Laibach und Bijelo Dugme Jugo-Nostalgie und postindustrielles Unbehagen, während sich martialische Rhythmen und derbe Gitarrenriffs überlagern: Waffen werden in der balkanischen Mythologie und Identität oft als Chiffre für Männlichkeit verwendet, „Die Kanone“ spielt mit dieser Trope, wenn der Protagonist versucht, eine Kanone zu benutzen, um das Objekt seiner Begierde für sich zu gewinnen.
Die ins Deutsche übertragenen Lyrics reflektieren Identität, ex-jugoslawische Diaspora und Militarismus, wobei sie nicht zuletzt den aktuellen Übergang deutscher Industrieproduktion von der Automobil- zur Waffenindustrie beleuchten.
Der modifizierte Volkswagen Käfer, der auf dem Cover der Single zu sehen ist, eine Ikone deutschen Autobaus (und der ihrerseits ikonischen deutschen Autobahnen), wurde selbstredend in Sarajevo im ehemaligen Jugoslawien hergestellt.
Mit „Die Kanone“ gelingt Laibach ein eindrucksvolles musikalisches Kunststück: Die slowenischen Avantgardisten fusionieren ihre düstere, industrielle Ästhetik mit dem Pathos und der Melodik eines jugoslawischen Rock-Klassikers – und schaffen dabei etwas radikal Eigenständiges. Der Track ist nicht nur eine Hommage an Bijelo Dugmes Erbe, sondern auch ein klug inszenierter Kommentar zur Militarisierung, Männlichkeit und der widersprüchlichen Nostalgie nach einem untergegangenen Staat.

Die martialischen Soundlandschaften, durchzogen von krachenden Gitarren und pochenden Rhythmen, stehen in spannendem Kontrast zur melancholischen Sehnsucht der Melodie. Besonders bemerkenswert ist die Transformation der ursprünglichen Lyrics ins Deutsche – ein Kunstgriff, der nicht nur die kulturelle Brücke zwischen Ex-Jugoslawien und dem heutigen Mitteleuropa schlägt, sondern auch die aktuelle politische und industrielle Entwicklung kritisch reflektiert.
Dass dieses ungewöhnliche musikalische Bündnis ausgerechnet zum 50-jährigen Jubiläum von Bijelo Dugme zustande kam, verleiht dem Projekt zusätzlich historische Tiefe. Laibach beweisen einmal mehr ihr Gespür für Kontext, Reibung und Relevanz – „Die Kanone“ ist nicht nur ein Song, sondern ein postindustrielles Denkmal in Tönen.
Die neue Single folgt auf Laibachs jüngstes Album “Alamut“. Im Rahmen ihrer Singleveröffentlichungen hatten sie zuletzt Interpretationen von Foreigners “I Want To Know What Love Is“ und Billie Holidays unsterbliches “Strange Fruit“.veröffentlicht.
“Die Kanone” erscheint heute auf allen digitalen Plattformen.