Tricky – „Ununiform“

Tricky ist zurück – mit seinem 13. Album! Es erscheint im September mit dem Titel “Ununiform” auf seinem eigenen Label False Idols, vertrieben durch !K7 Music. Ein stürmisches, intensives musikalisches Werk, das Tricky von seiner bislang wohl radikalsten Seite zeigt. Und zugleich ein Ausflug in glückliche und zufriedene Gefilde. Es sind Aufnahmen, die den legendären britischen Produzenten bei der Konfrontation mit seinem Vermächtnis, seiner Geschichte, seiner Familie, ja sogar mit dem Tod, zeigen. Und bei alldem findet er zugleich dennoch Frieden.

Es ist das erste vollständig produzierte Album, seitdem Tricky vor drei Jahren nach Berlin gezogen ist. Während viele Menschen in die Club-Haupstadt Europas ziehen, um Party zu machen, gab es bei Trickyeine ganz andere Motivation. Für ihn war es ein klarer Cut, in jeder Hinsicht. “Ich mag es hier, weil ich nicht jeden kenne. Ich esse gutes Essen, gehe spazieren, habe ein Fahrrad. Ich versuche mehr nach mir zu schauen. Ich trinke hier nicht. Manche Leute würden es langweilig nennen, aber ich wache um 9 Uhr morgens auf und schlafe um 11 Uhr abends. Ich passe einfach auf mich auf.”

CREDIT-TO-SEBASTIAN-PIELLES
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Obwohl der Großteil von “Ununiform” in seiner neuen Heimat entstand, gab es auch vier Tracks die sogar noch weiter im Osten aufgenommen wurden, in der Hauptstadt von Russland. “Moskau ist meine weltweite Lieblingsstadt”, sagt er. “Ich wollte an Weihnachten nicht zuhause sein. Also habe ich im Dezember 2016 drei Wochen dort verbracht zum Aufnehmen und zum Probieren von russischem Essen.” Die vier Tracks wurden im toten Winter von Moskau aufgenommen und beinhalten Kollaborationen mit lokalen Rappern und Produzenten. “Ich höre russischen Rap seit mittlerweile 20 Jahren. Ich liebe diese Akzente und wollte immer schon mal einen russischen Rapper auf meinem Album haben.”

CREDIT-TO-SEBASTIAN-PIELLES
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Die Rapper und Produzenten, mit denen er zusammengearbeitet hat, gehören zu den berühmtesten und geschätztesten Russlands. Unter ihnen ist auch Scriptonite, der auf “Blood Of My Blood” und “Same As It Ever Was” rappt. Vasiliy Vakulenko wiederum ist einer der bekannntesten Rapper des Landes und hat den Beat für “The Only Way” gemacht. Der Rapper Smoky Mo erscheint auf dem digitalen Rap Workout “Bang Boogie”, einem Tune der von Gazgolder produziert wurde, dem Besitzer von einem größtem und besten Rap Labels Russlands. All das gelang ohne dass Tricky auch nur ein Wort russisch spricht. “Ich muss nicht verstehen, was sie rappen. Ich konnte es fühlen. Die Leute leben jeden Tag als wäre es ihr letzter und ich mag das.”

Obwohl das Album sehr viel gesetzter und friedlicher ist als alle anderen die Tricky bisher aufgenommen hat, ist es doch auch gespickt mit Referenzen zum Tod – von dem ravigen, synthie-lastigen “Dark Days” bis hin zur Single “When We Die”. “Ich will nicht jung sterben”, erklärt Tricky. “Aber meine erste Erinnerung ist meine Mutter im Sarg im Haus meiner Familie. Ich gehe also hin, stehe am Stuhl und schaue auf sie. Also sage ich zu dem Jungen am Stuhl: “Es wird alles gut, Du wirst rund um die Welt touren, Du wirst Musik machen und das gute Leben wird zu Dir kommen.” Wenn man den Tod nicht akzeptiert, kann man nicht wirklich das Leben akzeptieren.”

Für Tricky liegt der Grund für die Freiheit auf “Ununiform” in etwas sehr viel Grundlegenderem: “Dieses Album hier ist das erste seit Jahren, mit dem ich nicht irgendeine Form von Schulden abbauen muss. Also war das Ganze sehr viel relaxter.” Was seine vorherigen Alben “False Idols”, “Adrian Thaws” und “The Skilled Mechanics Project” betrifft, sagt er: “Ich habe diese Alben immer gemacht mit dem Gedanken im Hinterkopf: Je schneller ich die Alben fertig habe, desto schneller kann ich die Steuereintreiber bezahlen. So gesehen war “Ununiform” ziemlich gechillt. Jetzt besitze ich das Label, zahle für alles selber, bin also ein wirklich unabhängiger Künstler. Ich mache was ich will. Freiheit ist eine wunderschöne Sache.”

Interessanterweise hat der Effekt dieser neu gefundenen finanziellen Unabhängigkeit und der gesunde Lebensstil bei Tricky dazu geführt, dass er zurück zu seinem klassischen Sound findet – vielleicht die letzte Eroberung für einen so experimentierfreudigen Künstler. “Ich muss nichts mehr beweisen und ich bin fein mit Referenzen zu mir selbst.” Tatsächlich bezeichnet er die Lead-Single “The Only Way” als “Hell is Round The Corner, Part 2”. Vielleicht seine Antwort auf die Welle von Künstlern die sich auf Trickys Sound der 90er-Jahre berufen – von The xx bis zu den innovativen Londoner Rappern Gaika und CASisDEAD. Mit letzterem arbeite Tricky jüngst zusammen. “Ich habe eine ziemlich breite Audience. Also muss ich nichts beweisen. Ich habe manchmal das Gefühl, es ist okay auch mal etwas zu wiederholen.”

Im Geiste dieser Rückkehr in die Vergangenheit gibt es auf “Ununiform” auch ein Wiedersehen mit den früheren Mitstreiterinnen Francesca Belmonte sowie den Ex-Freundinnen Asia Argento und Martina Topley-Bird.

Tricky feat. Martina Topley-Bird – When We Die (Official Video)

New Stole” ist ein frischer Blick auf “Stole”, einen Song von dem von Tricky produzierten und auf False Idols im Jahr 2015 erschienenen Albums “Anima” des italienischen Künstlers Belmonte. Martina war die Sängerin auf Trickys Ära-prägendem Debüt-Album “Maxinquaye”. Das Album erschien einen Monat bevor die gemeinsame Tochter zur Welt kam. Es folgten Features auf den Folge-Alben “Nearly God” (1996), “Pre-Millennium Tension” (1996) und “Angels with Dirty Faces” (1998). Nach dieser außergewöhnlichen Serie von Alben war ihre Zusammenarbeit musikalisch dann weniger fruchtbar. Jetzt arbeiteten sie erstmals wieder zusammen, seit Tricky Gast war auf ihrem Mercury-nominierten Solo-Album “Quixotic” (2003). Doch Trickybetont, dass die Wiedervereinigiung auf “When We Die” eine weit weniger emotionale Angelegenheit ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Denn wenngleich die musikalische Zusammenarbeit vor über einem Jahrzehtn endete, so waren sie doch privat in konstantem Austausch durch das Aufziehen der gemeinsamen Tochter, wie Tricky betont. “Das Ganze entstand einfach, weil nun die Zeit dafür da war. Ich sagte zu Martina, es wäre großartig wenn du auf diesem Album vertreten wärst, und dann ergab sich das auf ganz natürlich Weise, in dem sie ihre Vocals in einer Mail schickte. Meine Manager realisierten dass es seine große Sache ist, vor allem für die Zuhörer, aber nicht für uns selbst.”. Mit Asia Argento war es eine ähnlich entspannte Angelegenheit. Tricky datete die Künstlerin ein Jahr lang in LA, auf dem Album erscheint ihre Stimme nun in dem berührenden, wunderschönen “Wait For Signal”. “Es war sehr einfach mit ihr zu arbeiten, denn ich kenne sie gut und sie gibt einfach alles. Wenn ich zu ihr sage, dieser Song ist noch unfertig, er ist noch nicht da, wo ich ihn haben will, aber versuch mal was, würde sie alles tun. Du musst wirklich bereit sein, Risiken einzugehen,.“

Tricky – The Only Way (Official Audio)

Doch Tricky ist auch immer noch bemüht, neue Talente zu entdecken. Wie zum Beispiel die Sängerin Terra Lopez (Mitglied der Gruppe Rituals of Mine) die einen Gastauftritt bei “Armor” hat. Oder Mina Rosa, die dem Album Highlight “Running Wild” die Stimme gibt. Und Avalon Lurks die das Cover von Hole’s 1994 Song ‘Doll Parts’ singt.

Tricky - When We Die (feat. Martina Topley-Bird)
Tricky – When We Die (feat. Martina Topley-Bird)
Schließlich gibt es auch eine ganz persönlich, emotionale Note in Trickys Leben, die in den letzten drei Jahren stattgefunden hat und das Album geprägt hat: Trickys Tuchfühlung mit der Familiengeschichte in Bristols Soundsystem-Kultur und die damit einhergehende Entdeckung, dass sein Großvater der legendäre Reggae-DJ Tarzan The High Priest war. Damals im Jahr 1965, als die erste Welle der afro-karibischen Einwanderer die Hafenstadt Bristol zu ihrer Heimat machten, setzte Tarzan eines der erste Soundsystems auf – eine spektakuläre, aber bisher kaum berichtete Geschichte, die erst durch die beachtete Ausstellung Bristol Soundsystem Culture in Trickys Heimatstadt herauskam. “Mein Großvater machte Aufnahmen und in der damaligen Zeit war das eine große Sache. Er war ein sehr bekannter Künstler bevor ich geboren wurde und veränderte die englische Musik in einer Weise wie wir es uns noch kaum bewusst machen.” Trickyshartes Familienleben war lange Gegenstand von psychologischen Spekulationen unter Fans und Kritikern. Seine Mutter hatte sich umgebracht als Tricky vier Jahre alt war und er wurde dann in einer Reihe von Pflegeheimen großgezogen. Doch diese Entdeckung einer musikalischen Grandeur in seiner Familie hat Trickys Leben verändert. “Ich habe die Verbindung mit dem Familienteil meines Vaters wiedergefunden während der Aufnahmen für dieses Album. Und in gewisser Weise hat der Fakt, dass ich von einer so guten Linie abstamme, mir ein gutes Gefühl gegeben als ich dieses Album aufnahm. Ich komme aus einer Linie von Königen. Das fühlt sich gut an.”

Dann stellt Tricky schließlich noch eine rethorische Frage in den Raum: “Die Leute sagen, das Album klingt nach Tricky… Aber wie klingt das denn bitte genau?” Das Album “Ununiform” ist ein glorioser, wundervoller, extrem persönlicher Versuch, diese Frage zu beantworten.

Tracklist:
1. Obia Intro
2. Same As It Ever Was
3. New Stole (feat. Francesca Belmonte)
4. Wait For Signal (feat. Asia Argento)
5. It’s Your Day (feat. Scriptonite)
6. Blood Of My Blood (feat. Scriptonite)
7. Dark Days (feat. Mina Rose)
8. The Only Way
9. Armor (feat. Terra Lopez of Rituals of Mine)
10. Doll (feat. Avalon Lurks)
11. Bang Boogie (feat. Smoky Mo)
12. Running Wild (feat. Mina Rose)
13. When We Die (feat. Martina Topley-Bird)

TRICKY – RUNNING WILD ( feat. Mina Rose ) Single-VÖ 28.08.17
Ein Lied über die verwirrende Ungewissheit der Jugend. ‚Running Wild‘ featured die Vocals der in Süd-London lebenden Newcomerin Mina Rosa, die sowohl den Text dafür geschrieben hat und Tricky als Sängerinn auch bei allen Live-Shows begleiten wird.

Tricky – When We Die (feat. Martina Topley-Bird) VÖ: 12.07.17
Martina war die Sängerin auf Trickys Ära-prägendem Debüt-Album “Maxinquaye”. Das Album erschien einen Monat bevor die gemeinsame Tochter zur Welt kam. Es folgten Features auf den Folge-Alben “Nearly God” (1996), “Pre-Millennium Tension” (1996) und “Angels with Dirty Faces” (1998). Nach dieser außergewöhnlichen Serie von Alben war ihre Zusammenarbeit musikalisch dann weniger fruchtbar. Jetzt arbeiteten sie erstmals wieder zusammen, seit Tricky Gast war auf ihrem Mercury-nominierten Solo-Album “Quixotic” (2003). Doch Tricky betont, dass die Wiedervereinigiung auf “When We Die” eine weit weniger emotionale Angelegenheit ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Denn wenngleich die musikalische Zusammenarbeit vor über einem Jahrzehnt endete, so waren sie doch privat in konstantem Austausch durch das Aufziehen der gemeinsamen Tochter, wie Tricky betont. “Das Ganze entstand einfach, weil nun die Zeit dafür da war. Ich sagte zu Martina, es wäre großartig wenn du auf diesem Album vertreten wärst, und dann ergab sich das auf ganz natürlich Weise, in dem sie ihre Vocals in einer Mail schickte. Meine Manager realisierten dass es seine große Sache ist, vor allem für die Zuhörer, aber nicht für uns selbst.”

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