Walter Trout Album: We’re All In This Together VÖ: 01.09.2017 durch Provogue / Mascot Label Group / Rough Trade

Walter Trout – Album: We’re All In This Together

Walter Trout ist das Herzstück der modernen Bluesrockszene. Er wird von der alten Garde respektiert, von den Youngstern verehrt und von seinen Fans, denen er nach jedem Konzert die Hände schüttelt, hoch geschätzt.

Walter Trout Album: We’re All In This Together VÖ: 01.09.2017 durch Provogue / Mascot Label Group / Rough Trade
Walter Trout Album: We’re All In This Together
VÖ: 01.09.2017 durch Provogue / Mascot Label Group / Rough Trade
Nach 50 Jahren im Business gilt er gleichermaßen als Glücksbringer als auch als der Leim, der die Bluesgemeinschaft zusammenhält, besonders in einer Zeit, in der die Welt noch nie so gespalten war. Nur jemand wie Walter Trout hat die Vision, das Talent und das nötige mit Stars gespickte Adressbuch, um ein Projekt in der Größenordnung von „We’re All In This Together“ auf die Beine zu stellen. „Es war ein ziemliches Stück Arbeit, dieses Album aufzunehmen.“, gibt er zu. „Zum Glück habe ich viele Freunde.“

„We’re All In This Together“ erregt bereits Aufmerksamkeit, noch bevor man auch nur einen einzigen Ton davon gehört hat. Für die 14 erstklassigen Musiker wie Joe Bonamassa, Kenny Wayne Shepherd, John Mayall oder Randy Bachman schrieb Trout jeweils einen eigenen Song. Nach einer Reihe von Soloalben, auf denen er seine fast tödliche Lebererkrankung thematisierte, fand er darin Trost und neue Lebensfreude. „Es war die richtige Zeit für diese Platte.“, erklärt er. „Beim Schreiben von ‘Battle Scars‘ [2015] rannen mir die Tränen die Wangen herab. Ich brauchte eine Pause davon und wollte etwas tun, das mir Spaß macht und unbeschwert ist. Es war das reinste Freudenfest für mich.“

Die Credits des Albums lesen sich wie ein wohlwollendes Nicken an die vielen Stationen in Trouts ereignisreicher Lebensgeschichte. Dort ist von Keyboarder Skip Edwards zu lesen, den Trout seit über 40 Jahren kennt, als er noch seine ersten Erfahrungen als hoch geschätzter Leadgitarrist für Wilmont Mews sammelte. Auch mit dem Orgelzauberer Deacon Jones verbindet ihn eine langjährige Freundschaft. Dieser brachte den damals gerade 20jährigen mit Bluestitanen wie John Lee Hooker und Big Mama Thornton zusammen. „Deacon entdeckte mich quasi, als ich in den 70ern nach Los Angeles zog. Ich schulde ihm etwas.“

Trout heißt auch einige Freunde vom kürzlich gegründeten Allstar Projekt The Supersonic Blues Machine willkommen: Warren Haynes, Robben Ford und Eric Gales. Dann ist da auch noch John Mayall, der zeitlose britische Godfather des Blues, der 1985 einen in Schwierigkeiten steckenden Trout für die Bluesbreakers anheuerte und nun bei „Blues For Jimmy T.“ die Mundharmonika spielt. „Ob ich stolz bin, ein Teil der dieser Band gewesen zu sein?“, fragt Trout. „Natürlich! Was für eine Ehre! Das ist ein sehr exklusiver Club und wenn meine Zeit eines Tages vorbei ist, werden sich die Leute daran erinnern, dass ich fünf Jahre lang ein Bluesbreaker war!“

Trout wurde jedoch mindestens genauso für seine Solokarriere gefeiert, die er 1989 startete. Er tourte unermüdlich und veröffentlichte Klassiker wie „Life In The Jungle“ [1990], „Walter Trout“ [1998] und das politisch-bissige „Blues For The Modern Daze“ [2012]. Er genoss internationalen Applaus und seine Verkaufszahlen stiegen, während die der launenhaften Musikindustrie zurückgingen. Die Jahre auf Tournee bescherten ihm außerdem viele enge Freundschaften, wie das 2006 erschienene „Full Circle“ und eben der diesjährige, inoffizielle Nachfolger „We’re All In This Together“ beweisen. „Ursprünglich trug es den Titel ‚Full Circle Volume 2‘.“, merkt der Musiker an. „Doch ich wollte eine positive Botschaft in diesen verrückten Zeiten vermitteln.“

Seit „Full Circle“ hat auch die Aufnahmetechnologie einen enormen Sprung nach vorne gemacht und so war es möglich, dass Trouts Gäste ihre Beiträge auch aus der Ferne beisteuern konnten. „Im Studio stand nur der Kern der Band: Sammy Avila [Keyboards], Mike Leasue [Schlagzeug], Johnny Griparic [Bass], unser Produzent Eric Corne und ich. Doch es ist eigentlich nicht richtig zu sagen, dass wir nicht gemeinsam dort gewesen wären. Hör Dir zum Beispiel den Track mit Warren Haynes an: wenn sich am Ende unsere Gitarren gegenseitig antworten klingt es, als hätten wir uns dabei ins Gesicht gesehen.“

Schon vom ersten Song an ist die besondere Chemie zwischen den Musikern zu hören. „was ist ein blues shuffle Ich spielte mit Kenny Wayne Shepherd in der Carnegie Hall und wir sprachen darüber, gemeinsam etwas aufzunehmen.“, erklärt Trout die Geschichte hinter dem Opener „Gonna Hurt Like Hell“. „Also beschloss ich, einen Uptempo Blues Shuffle für ihn zu schreiben. Der Text handelt von vielen verschiedenen Dingen. Als Süchtiger fühlen sich die Drogen eine Weile gut an, doch sobald Du auf Entzug bist, schmerzt es wie die Hölle. Du kannst Deine Frau betrügen und für zehn Minuten Spaß haben, doch danach schmerzt es wie die Hölle. Kenny spielt absolut großartig auf diesem Song, besonders am Ende, wenn unsere Gitarren sich gegenseitig antworten. Es ist kaum zu sagen, wer wer ist.“

Auf„Ain’t Going Back“ ist der Slide Guitar-Majestro Sonny Landreth aus Louisiana zu hören. „Er ist der größte Slidegitarrist der Welt.“, schwärmt Trout. „Es gibt niemanden, der an sein Niveau herankommt, er ist ein wahrer New Orleans-Musiker. Ich experimentierte mit verschiedenen Grooves herum und heraus kam ein ein 50er Jahre Americana-Stück, das von den dummen Dingen handelt, die ich in meiner Jugend angestellt habe. Sonny schickte mir seinen Part, rief mich an und meinte, er wisse nicht, ob das wirklich gut sei und dass er nicht beleidigt wäre, wenn er es noch einmal neu einspielen solle. Ich antwortete ihm nur: ‚Von was redest Du, Mann? Es ist verdammt noch mal großartig!‘“

„The Other Side Of The Pillow“ wird von Mundharmonika-Pionier Charlie Musselwhite angetrieben. “Ich kenne Charlie, seitdem ich mit Mayall unterwegs war.”, erklärt Trout. „Doch ich hörte seine Songs bereits in der High School. Er ist neben Mike Bloomfield und Evin Bishop einer der Urväter der Szene. Die Jungs begannen in den 60er Jahren damit, die Clubs der Schwarzen in Chicago zu gehen und dort selbst Blues zu spielen.
Ein Freund von mir, Richard T. Bear, ist ein Top Studiokeyboarder. Von ihm stammt der Vers ‚I’m gonna make love to another woman, because you made love to another man’. Ich übernahm ihn und entwickelte einen eigenen Groove dazu.”

Eines der radiotauglichsten Stücke ist “She Listens To The Blackbird Sing” mit dem ex- Royal Southern Brootherhood-Gitarristen Mike Zito. „Ich hatte noch meine Akustikgitarre in der Hand und wollte mich gerade auf den Weg ins Studio machen. Plötzlich kam diese Melodie aus mir heraus. Mike und ich kennen uns schon lange. Er sagt, dank mir habe er es geschafft, nüchtern zu werden. Was Skip Edwards dann aus dem Song gemacht hat, ist wirklich bemerkenswert. Wir gaben ihm die Rohfassung des Tracks und er hob ihn auf ein extrem hohes Niveau.

Mit Robben Ford spielt Trout auch bei dem Projekt The Supersonic Blues Machine, also verpflichtete er die Jazz-Blues-Größe umgehend für das Gitarreninstrumental „Mr. Davis“ im Freddie King-Stil. Das einzige Cover des Albums ist „The Sky Is Crying“ von Elmore James, das Warren Haynes mächtig und einzigartig interpretiert. „Warren lud mich vor einigen Jahren ein mit ihm beim New Orleans Jazz Festival zu spielen.“, erinnert sich Trout. „Er wollte unbedingt ‚The Sky Is Crying‘ performen und beendete damit auch die Show. Später, beim Ramblin‘ Man Fair in Großbritannien fragte ich ihn, ob wir den Song nicht gemeinsam aufnehmen sollten.“

Der Gitarrenvirtuose Eric Gales aus Memphis brannte förmlich für das funklastige „Somebody Goin Down“, während auf „She Steals My Heart Away“ der Texaner Edgar Winter zu hören ist. „Dahinter steckt eine lustige Geschichte.“, lacht Trout. „Vor 20 Jahren engagierte ich einen Kerl namens Bernie Pershey, Edgars Schlagzeuger. Vor acht Jahren dann Michael Leasure – wiederum sein Schlagzeuger. Ich hatte erst Bedenken, doch als ich Edgar in der Carnegie Hall traf, lachte er nur und sagte, ich solle mir keinen Sorgen machen. Wir verstehen uns wirklich gut und auf dem Album hört man, dass er Perfektionist ist.“

„Crash And Burn“ ist mit der Electric Blues-Größe Joe Louis Walker besetzt, während John Németh, der Soulman aus Idaho, die Rettung für „Too Much To Carry“ war. Eigentlich sollte Curtis Salgado dazu singen und Mundharmonika spielen, doch kurz bevor die Aufnahmen beginnen sollten, erlitt er einen Herzinfarkt und musste sich einer Bypass-Operation unterziehen. Németh sprang ohne zu zögern für ihn ein.

Auf „Do You Still See Me At All“ ist Trouts ältester Sohn Jon zu hören. „Wir saßen zusammen mit unseren Gitarren in der Küche, als wir den Song schrieben.“, erinnert sich Trout. „Jon hat meine musikalische DNA und er hörte mich spielen, als er noch im Bauch seiner Mutter war. Er spielt seit er ein kleines Kind ist und mag verschiedenste Musikstile. Dennoch hat er nie versucht, Blues oder Leadgitarre zu spielen. Als ich krank wurde, wurde ihm bewusst, dass er mich verlieren könnte und wollte meine Musik weitermachen. Also stürzte er sich in die Arbeit und brachte sich selbst das Solospiel bei. Das hat mich wirklich bewegt.“

Die Idee zu Randy Bachmanns Beitrag zu „Got Nothin‘ Left“ entstand vergangenes Jahr bei der Feier zu Jeff Healeys 50. Geburtstag in Toronto. „Randy tippte mir auf die Schulter und erzählte mir, wie davon, als er einen meiner Songs im Radio hörte. Das Gitarrensolo beeindruckte ihn so sehr, dass er rechts ranfuhr, beim Sender anrief um  den Interpreten herauszufinden. Wir wurden daraufhin gute Freunde, mailten hin und her und ich schrieb einen 50er Jahre Rock’n’Roll-Song für ihn. Als ich mir seinen Part anhörte, musste ich lachen. Ich hatte kurz vorher „Takin‘ Care Of Business“ von seiner Band BTO gehört und seine Stimme hat sich kein bisschen verändert.“

Genauso wenig wie die enge Freundschaft zwischen Trout und John Mayall. Auf „Blues For Jimmy T.“ eine Mundharmonika-Spur in Meisterklasse lieferte. „Obwohl John schon auf drei meiner anderen Alben gespielt hat, ist es immer noch eine große Ehre für mich. Diesmal wollte ich etwas anderes mit ihm machen und kam auf die Idee, einen Akustiksong im Stil von Sonny Terry und Brownie McGhee zu schreiben. Der Text handelt von meinem alten Bassisten und besten Freund Jimmy Trapp. Es ist wirklich emotional für mich, das zu hören.“

Für den Titeltrack und letzten Song des Albums kam Joe Bonamassa persönlich ins Studio, um ihn live mit Walter und seiner Band einzuspielen. „Joe wollte explizit mit der Band spielen und nicht einfach nur Spuren überschneiden. Er hatte im März für einen Tag genau drei Stunden Zeit, doch es war wundervoll. Wir saßen nur einen Meter voneinander entfernt und legten los.“

Man sagt, man könne einen Mann anhand seiner Freunde beurteilen. Wenn das stimmt ist „We’re All In This Together“ ein weiterer Beweis für Trouts Status als Nabel der Bluesszene. Es ist der Sound eines Künstlers, der mit Hilfe seiner Freunde nicht nur über die Runden kommt, sondern dabei regelrecht aufblüht. „Ich bin 66 Jahre alt, doch ich fühle mich, als wären es die besten meines Lebens. Ich fühle mich körperlich besser und habe mehr Energie denn je. Nicht nur mein Verständnis vom Leben hat sich komplett gewandelt, sondern auch meine Sicht auf die Welt, meine Familie, meine Karriere. Ich will mich in dieses spannende und feierliche Leben stürzen. Ich will es bei den Eiern packen und nicht wieder loslassen.“

Tracklisting

  1. Gonna Hurt Like Hell feat. Kenny Wayne Shepherd
  2. Ain’t Goin‘ Back feat. Sonny Landreth
  3. The Other Side of The Pillow feat. Charlie Musselwhite
  4. She Listens To The Blackbird Sing feat. Mike Zito
  5. Davis feat. Robben Ford
  6. The Sky Is Crying feat. Warren Haynes
  7. Somebody Goin‘ Down feat. Eric Gales
  8. She Steals My Heart Away feat. Edgar Winter
  9. Crash And Burn feat. Joe Louis Walker
  10. Too Much to Carry feat. John Németh
  11. Do You Still See Me At All feat. Jon Trout
  12. Got Nothin‘ Left feat. Randy Bachman
  13. Blues For Jimmy T. feat. John Mayall
  14. We’re All In This Together feat. Joe Bonamassa

Live kann man Walter Trout diesen Herbst sehen:

Rocks, Musix & Eclipsed
proudly present
WALTER TROUT (USA)

New Studio Album – World Tour 2017
24.10. DE – Berlin, Columbia Theater
25.10. DE – Hannover, Blues Garage
26.10. DE – Bochum, Zeche
27.10. DE – Hamburg, Markthalle
28.10. DE – Halle/Westf., B & W Rhythm’N’Blues Festival
30.10. DE – Erfurt, Gewerkschaftshaus
31.10. DE – Dillingen-Saar, Lokschuppen

Veranstalter : jazzhaus booking | www.jazzhausbooking.com

Walter Trout
Album: We’re All In This Together
VÖ: 01.09.2017 durch Provogue / Mascot Label Group / Rough Trade
Erhältlich als 2LP+MP3, CD, Digital, MFiT Digital

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