Blitzkids_Blinded CD Cover

Blitzkids „Blinded“

Wer sind Blitzkids? Um das zu beantworten, müssen wir zunächst einen Blick in das New York Ende der Siebziger Jahre werfen: Erinnert ihr euch an die Zeit, als sich die Menschen in einen Außerirdischen verliebten? Sein Name war Klaus Nomi.

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BLITZKIDS Blinded EP

Ein schwuler, deutscher Opernsänger, der, gekleidet wie eine Figur aus dem Zauberer von Oz, die Popwelt mit avantgardistischer Strangeness verzauberte. Man staunte, als käme er von einem anderen Stern – vom Planeten Nomi. Einer, der zur Erde gekommen war, „to entertain the children of the night“, um die Kinder der Nacht zu unterhalten.

„Nomi“, so nennt sich auch die Sängerin von Blitzkids. Eine Hommage? Ein Ansatzpunkt. Eine Inspiration. Ihr Gesicht ist ebenso weiß geschminkt, ihre Haltung gerade, ihre Miene stolz. Sie könnte seine Schwester sein. Achtet mal auf die Augen – ziemlich ausserirdisch! Wie wäre es mit einem kleinen Lächeln? Nö. Das überlassen wir den Lady Dingsbums. Denn bei Nomi und den Blitzkids geht’s nicht ums Posen, hier geht’s um Haltung.

Und wenn Nomi vom gleichen Stern gefallen ist wie Klaus dann sind die Blitzkids das kulturelle Auffangbecken. Das Zuhause der Außerirdischen! Wo anderswo die bunten Fetzen flattern, gebleichtes Haar und Zähne präsentiert werden, schwören die Blitzkids dem gefälligen Krimskrams ab. Hier wird sich nicht verkleidet. Im Gegenteil, es geht darum, durch die Masken, das Wesentliche sichtbar zu machen. Häh? Anderes Beispiel: Kennt ihr den Modedesigner Gareth Pugh? Der mit den aufblasbaren Latexärmeln? Ein weiterer Außerirdischer vom Planeten Nomi. Seine Kreationen bestechen durch klare Kontraste und den Gedanken, dass seine Mode kein Schmuckwerk, sondern Performance ist. Genauso wie es bei der Musik von Blitzkids nicht um Style geht, sondern um Stil.

Beide benutzen sowohl modisch als auch musikalisch starke Kontraste. Schwarz und Weiß. Wie ein Beat, der schlägt und die Musik mit Stromstößen vorantreibt. Es geht nicht um Design. Es geht nicht um Musik. Es geht um den Kampf zwischen Licht und Schatten. Und das ist das Wesentliche.

Denn die Idee Popmusik, Performance und Haltung zu verschmelzen ist immer noch da und hat die Achtziger überlebt. Kraftwerk, Spandau Ballett, Steve Strange, Boy George, Vivienne Westwood: das ist die erste Generation der Blitzkids. Ein Haufen damals junger Menschen, die in einem Londoner Club namens Blitz ihre musikalische Heimat fanden. Einige sagten auch „New Romantic“ dazu, eine Bewegung, die sich als eine Reaktion auf den Punk verstand. Doch wenn es dem Punk darum ging Formen aufzulösen, ging es den „New Romantics“ darum Formen, neu zu belegen.

Blitzkids 2011 nehmen den Ansatz auf, ohne zu verkrampfen. „Blinded“ heißt der erste Blitzkids-Song. Und vielleicht ist es Absicht, dass es in diesem Song nicht ums Sehen, sondern ums Blindsein geht. Vielleicht müssen wir das Sehen und Hören erst wieder lernen. Oder es ist mal wieder die Zeit gekommen, sich in Außerirdische zu verlieben. Und endlich mal wieder richtig gut zu tanzen.

Klaus Nomi sagte mal: „Es ist doch schön, ein bisschen magisch zu sein!“ – und wer weiß, vielleicht hätte er in den Blitzkids ein paar Verwandte entdeckt, die wie er von einem anderen Planeten gekommen sind , um die neue Generation der Kinder der Nacht zu unterhalten.

www.myspace.com/blitz-kids | www.blitzkids.eu

Robin-McKelle-Mess-Around CD Cover

Robin McKelle „Mess Around“

Mit ihren ersten beiden Alben „Introducing Robin McKelle“ (2006) und „Modern Antique“ (2008) etablierte sich die Amerikanerin Robin McKelle auf einen Schlag als neuer Stern am Swing-Himmel.

Robin-McKelle-Mess-Around CD Cover
Jazzsängerin Robin McKelle mit ihrem neuen Album „"Mess Around“"

Was für eine Vollblutsängerin die rothaarige Lady mit der charismatisch rassig-rauchigen Stimme aber in Wirklichkeit ist, zeigt sie jetzt auf ihrer dritten CD „Mess Around“, mit der McKelle ihren Label-Einstand bei Sony Music gibt.

Natürlich gibt es wieder hier und da Anleihen an die klassische Swing-Ära. Doch diesmal schlägt ihr Herz nicht nur für den
Jazz, sondern besonders für den Soul und den Blues. Schließlich, so Robin McKelle, „haben all diese Musikstile mich ungemein geprägt.

Das Album besitzt daher auch dieses 60er-Jahre-Feeling, das von jenen Aufnahmen beeinflusst ist, die etwa Ray Charles und Nina Simone zu dieser Zeit aufgenommen haben.“

Natürlich erweist Robin McKelle auf „Mess Around“ gerade ihrem Vorbild Ray Charles gleich mehrfach ihre Referenz. „Mess Around“ hat sie im Stil von Ray Charles komponiert. Und „Lonely Avenue“ von Doc Pomus
wurde erst dank Charles zum R&B-Klassiker. Doch auch diesem Hit verleiht Robin McKelle neue Flügel dank des Arrangements von Funk-Legende Fred Wesley.

Überhaupt hat Robin McKelle nur hochkarätige Musiker um sich umgescharrt, mit denen sie ihren vier eigenen Songs, aber auch denen von Leonhard Cohen, den Bee Gees und den Beatles vibrierendes Retro-Feeling verleiht.

Mit u.a. Bassist Tim Levebre, Gitarrist Marvin Sewell und der Tenorsaxophon-Legende Houston Person geht sie „I Can´t See Nobody“ (Bee Gees) funkig und soulig an. „

Everybody Knows“ (Leonhard Cohen) hat Robin McKelle zu einer satten und treibenden Motown-Hymne arrangiert („Ich hoffe, Leonhard Cohen gefällt diese Version.“).

Und aus der Streicher-Ballade „Eleanor Rigby“ von den Beatles wird auf einmal eine groovende Latin-Nummer, in der immer wieder die berühmten Bläsersätzeaus „Cold Sweat“ von Funk-Master James Brown aufblitzen.

Bevor sich Robin McKelle dann schließlich mit ihrem, vom Gospel inspirierten Liebeslied „Since I Looked In Your Eyes“ als einfühlsame Singer-Songwriterin ausweist, gibt sie noch einmal die heißblütige Swing- und Soul-Queen. In „I Just Want To Make Love To You” von Willie Dixon.

Robin McKelle stammt ursprünglich aus Rochester, New York State. Sie studierte an der University of Miami, machte ihren Abschluss am renommierten Berklee College of Music und ging dann nach Los Angeles, um als Chorleiterin zu arbeiten.

Einige Zeit später kehrte sie nach Boston zurück, gründete ihr eigenes Trio und schrieb sich wieder in das Berklee College ein, diesmal, um Gesang zu studieren. Ersten Auszeichnungen folgten ein Engagement beim Boston Pops Orchestra sowie Auftritte im Rahmen der Berklee Commencement Concerts mit David Bowie, Carly Simon und Wayne Shorter.

Robin McKelle „Mess Around“

04.02. Bix, Stuttgart
05.02. Jazzclub, Minden
06.02. Unterfahrt, München
07.02. Jazzclub, Hannover
09.02. A-Trane, Berlin
10.02. Kulturzentrum Schlachthof, Kassel

Amos LEE "Mission Bell" CD Cover

Amos LEE „Mission Bell“

Für Amos Lee war der Schlüssel zu seinem vierten Album, Mission Bell, Zeit. Zeit, die er sich nahm, um nachzudenken, zu schreiben und Songs aufzunehmen, die seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden.

Amos LEE  "Mission Bell" CD Cover
Amos LEE "Mission Bell"

„Meine letzten beiden Alben wurden etwas in Eile produziert, da ich zu der Zeit sehr viel auf Tour und daher ständig unterwegs war”, erklärt er.

„Bei diesem Album habe ich mir anderthalb Jahre Zeit genommen, saß einfach nur zu Hause und schrieb.

Ich habe mehr Zeit alleine mit diesen Songs verbracht als jemals zuvor”, führt er fort, „was, glaube ich, sehr geholfen hat. Es war als ginge man auf einen Flohmarkt oder in einen Second-Hand-Laden – auf den ersten Blick findet man direkt etwas, aber dann muss man immer wieder hingehen, weil man ständig etwas Neues entdeckt.”

Das Ergebnis ist Lees bisher prachtvollstes und ausgereiftestes Album. Mission Bell, das von Joey Burns, einem der Gründer der viel gerühmten Band Calexico, produziert wurde, ist sowohl vielseitig als auch abgerundet und wartet mit einer Bandbreite an Emotionen auf, die durch Lees Geschmackssicherheit und seine unverwechselbare Stimme in Einklang gebracht werden. Mit einem beeindruckenden Aufgebot an Guest-Stars – wie Willie Nelson, Lucinda Williams, Sam Beam (Iron & Wine), James Gadson, Priscilla Ahn und Pieta Brown – und der musikalischen Unterstützung von Calexico erreicht Amos Lee mit diesem Album den Status eines reifen Künstlers, der sich auch weiterhin mit viel Hingabe sowohl musikalisch als auch thematisch weiterentwickelt.

Songs wie „Windows Are Rolled Down” und „Flower” fangen schmerzlich-intime Momente ein, während „Stay” und „Out Of The Cold” von Lees Auseinandersetzung mit dem Tod berichten, die aus Erfahrungen mit seinen Fans und Auftritten in Krankenhäusern im Rahmen des “Musicians On Call”-Programms hervorgeht.

„Viele dieser Lieder haben einen spirituellen Hintergrund und so etwas wie ein suchendes Element in sich”, sagt Lee, der mittlerweile einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Songwriter unserer Zeit ist, was durch den Umstand untermauert wird, dass Größen wie Williams und Nelson mit Freuden seine Songs interpretierten.

„Es gibt nicht viele große Songwriter”, sagt Nelson. „Amos ist ein außergewöhnlich talentierter Künstler und ein begnadeter Geschichtenerzähler – er ist einzigartig in seiner Generation.” Auch Williams zeigte sich ähnlich beeindruckt: „Lee kann mit seiner Stimme auf eine wundervoll geheimnisvolle Weise Geschichten erzählen, so wie er es bei seinem fesselnden Song ‚Clear Blue Eyes’ getan hat.“

Doch die offensichtlichste Neuerung bei Mission Bell ist der intime und doch vielseitige Sound des Albums, den Lee dankend Joey Burns und John Convertino von Calexico zuschreibt. Nach einem zufälligen Treffen in Wien vor ein paar Jahren, kam Lee auf die Idee der Band in ihrem Wavelab Studio in Tucson einen Besuch abzustatten und gemeinsam ein paar Songs aufzunehmen.

„Es ist unfassbar, wie musikalisch-talentiert diese Jungs sind”, staunt Lee. „Besonders viel Spaß hat es gemacht gemeinsam mit John zu arbeiten und neue rhythmische Strukturen kennen zu lernen. Ich bewundere die Fähigkeit der beiden Atmosphäre entstehen zu lassen. Klanglich haben sie den Songs eine wunderschöne Note verliehen, als ob sie sich weiterentwickelt hätten und nun freier atmen können.”

Laut Lee haben die Arrangements und die Instrumentalisierung einen dramatischen Effekt auf einige der Songs gehabt. „Bei ‚Hello Again’ nutzten sie klassische Gitarren, Vibraphones, Streicher und lauter solche Instrumente. Die instrumentale Konzeption ist sozusagen querbeet angelegt und Wavelab ist hierfür genau die richtige Adresse. Dort stehen in jeder Ecke Instrumente herum, und so scheint keine Umsetzung unmöglich zu sein. ‚Clear Blue Eyes’ war zunächst ein klassischer Country-Gospel, aber als er durch ihre Hände ging, wurde der Song erst richtig stimmungsvoll.”

An der Hälfte der Songs auf Mission Bell war auch der hervorragende R&B-Drummer James Gadson beteiligt, der schon mit Bill Withers, Marvin Gaye, Herbie Hancock, Beck und unzähligen anderen großen Namen gearbeitet hat. „Ich habe mit James an drei meiner vier Alben zusammen gearbeitet”, sagt Lee. „Er hat immer einen gleichbleibend positiven Einfluss auf die Produktionen.” Nachdem Lee hörte, wie Gadson zu einem Playback sang, durfte dieser auch seine beeindruckende stimmliche Leistung beim Song „Jesus” unter Beweis stellen. „Ich sagte zu ihm ‚Das müssen die Leute hören, Mann!’ Er hat eine unglaublich starke Stimme, der ich eine Plattform bieten wollte.“

Seit der Veröffentlichung von Amos Lees erstem Album 2005 gilt der ehemalige Lehrer aus Philadelphia als einer der herausragenden Songwriter seiner Generation. Nachdem der Rolling Stone ihn zu einem der „Top 10 Artists to Watch” kürte, folgten schnell Tourneen mit Musik-Größen wie Bob Dylan, Merle Haggard, Paul Simon und Elvis Costello.

Seine zwei nächsten Alben – Supply And Demand (2006) und Last Days At The Lodge (2008) – verschafften ihm eine noch größere Fangemeinde und stärkten seinen Ruf; seine Songs waren bereits in unzähligen Filmen und Fernseh-Shows zu hören. Da sein Sound seine Wurzeln sowohl im Folk als auch im Soul findet, wurde Lee schon oft mit Künstlern wie James Taylor und Bill Withers verglichen, obwohl er selbst angibt, dass er seine Ideen aus einem immer weiteren Kreis von Einflüssen bezieht.

„Als Songwriter muss man herausragen und auf die eigene Stimme hören”, erklärt er. „Ich höre mir jedoch Musik aus vielen verschiedenen Bereichen an, vieles davon inspiriert mich wirklich, und ich versuche alles einzubinden. Da gibt es Klassiker, die ich immer wieder aufgreife, wie Bonnie Raitts Taking My Time. Aber im Moment stehe ich voll auf Primus und Ween. Ich bin für alles offen – wir hatten gerade einen Gig, bei dem Hatebreed im Raum nebenan spielten. Die Energie die dort entstand hat mich einfach umgehauen.”

Mission Bell ist für die Musik von Amos Lee ein entscheidender Schritt nach vorne, doch es scheint auch wie der erste Schritt einer neuen kreativen Reise. Die Kollaborationen auf dem Album haben den Horizont des Singer/Songwriters eindeutig erweitert. „An diesem Punkt meiner Karriere ist es für mich wahnsinnig interessant mit anderen Künstlern zu spielen bzw. zu singen”, erklärt er. „Ich habe viel Zeit damit verbracht mich nur auf meine Gitarre und mich zu konzentrieren; es gibt keinen Grund warum dieses Konzept jetzt nicht erweitert werden sollte.”

“Es gibt nicht viele große Songwriter. Amos ist ein außergewöhnlich talentierter Künstler und ein begnadeter Geschichtenerzähler – er ist einzigartig in seiner Generation.”
—Willie Nelson


„Amos Lee kann mit seiner Stimme auf eine wundervoll geheimnisvolle Weise Geschichten erzählen.”
—Lucinda Williams

Amos LEE „Mission Bell“ Live-Termine:

06.03.2011 Berlin, Lido
07.03.2011 Hamburg, Stageclub

BONNARD-TRIO-Mendelssohn CD Cover

BONNARD TRIO – MENDELSSOHN

Wenn das Ganze mehr ist als die Summe seiner Stimmen Mit seinen beiden Klaviertrios ist Mendelssohn auf der Höhe seiner Kunst Gleichberechtigung, das aufklärerische Ideal der Klassik, findet im demokratischen Miteinander der vier Instrumente des Streichquartetts seine paradigmatische musikalische Gattung.

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MENDELSSOHN PIANO TRIOS OP. 49·66 BONNARD TRIO
Das Klaviertrio hingegen? Seine Besetzung mit Klavier, Violine und Cello scheint einem in der Wiener Klassik längst überwunden geglaubten Hierarchiedenken verhaftet. Denn erkämpft sich das Klavier nicht immer wieder sein Recht zur auftrumpfenden Virtuosität und spielt sich klammheimlich zum Solisten des Trios auf?

Das Klaviertrio erhält den Beigeschmack eines Klavierkonzerts mit minimierter Orchesterbesetzung, mitunter wird es scherzhaft „a poor man‘s piano concerto“ genannt. Die frühen Werke dieser kammermusikalischen Gattung bestätigen den angeblichen Makel: Denn das Cello verdoppelte oftmals schlichtweg die Basslinie des Klaviers, hier hat ein kompositorisches Denken überlebt, das noch zurückgeht auf das Generalbasszeitalter des Barock. Zumal die frühen Klaviertrios der Klassik zählten letztlich „nur“ zur gehobenen gesellschaftlichen Unterhaltungsmusik. Salontrios feierten enorme Erfolge.

Mit Haydn und Mozart setzt die Emanzipation der Streicher ein. Erst durch Ludwig van Beethoven aber wird die Gattung des Klaviertrios zu einer Spielart der Kammermusik, in der die Gleichberechtigung der drei Instrumente vollends Ereignis wird. Beethoven tariert das Kräfteverhältnis zwischen Klavier und Streichern aufs Feinste aus, sorgt für eine enorme satztechnische Elaboration. Mit seinen beiden Klaviertrios knüpft Felix Mendelssohn- Bartholdy an Beethovens Errungenschaften an.

Zumal im Klaviertrio d-Moll op. 49 verleugnet er seine Wurzeln im tiefen Boden der Klassik mitnichten. Robert Schumann wurde durch das Werk zu dem Bonmot veranlasst, Mendelssohn sei der „Mozart des neunzehnten Jahrhunderts“. Er schwärmte über seinen Kollegen, dieser sei „der hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt.“ Mendelssohn verströmt in der Tat die Mozartische Eleganz einer Sommermusik.

Im Juni und Juli des Jahres 1839 in Frankfurt am Main während einer rundum unbeschwerten Lebensphase erdacht, wurde das Klaviertrio zum beliebtesten Werk seiner gesamten Kammermusik: Der volkstümliche Tonfall und die Brillanz einfallssprudelner Passagen gehen ohne Umschweife ins Ohr – ob nun das aufwühlende Allegro agitato, das „Lied ohne Worte“ des wunderbar innerlichen langsamen Satzes, das eigensinnig koboldhafte, schelmisch verspielte „Elfenscherzo“ oder der leise einsetzende Finalsatz, der schließlich die disparaten Gefühlswelten der vorangegangenen Sätze in eine sich lösende, nach D-Dur gewandte Feierlichkeit münden lässt.

Das Klaviertrio c-Moll op. 66 ist zwar nur sechs Jahre später entstanden, im Falle dieses so kurzen Komponistenlebens muss uns diese Spanne als eine lange Zeit gelten. Ein hörbar gereifter Mendelssohn hat sein Werk Altmeister Louis Spohr gewidmet, der es sogar – mit Mendelssohn am Flügel – gemeinsam mit ihm gespielt hat.

Am 30. April 1845 ist das Trio fertiggestellt, Felix schenkt es seiner Schwester Fanny zum Geburtstag. Der eingangs geschilderten Herausforderung, an sich ungleiche Instrumente gleichberechtigt aufeinander treffen zu lassen, begegnet Mendelssohn mit einem Kunst- und Rückgriff in die Welt des von ihm so verehrten Johann Sebastian Bach. Er bedient sich einer polyphonen Schreibweise, mithin dem Schlüssel für wirklich große Kammermusik.

Die Unabhängigkeit der Stimmen fordert jedes Instrument gleichermaßen, keiner der ebenbürtigen Spieler kann allein für sich die Melodie beanspruchen. Gleich mit dem elastisch gespannten Hauptthema des Allegro energico e con fuoco beweist Mendelssohn, dass er sich auf seine polyphone Kunst nicht akademisch trocken, sondern geistreich und ungezwungen versteht.

Mit dem Andante espressivo ersinnt Mendelssohn erneut ein melodiöses „Lied ohne Worte“, in dem sich Klavier und Streicher wie in einem sanft wiegenden Duett begegnen. Mit dem Molto allegro quasi presto schreibt Mendelssohn ein Scherzo der blitzenden Ausgelassenheit, huschend kapriziös scheint der Satz verfliegen zu wollen.

Und das Allegro appassionato des Finalrondos findet gewichtige Töne mit langer Geschichte – Bach steht hier einmal mehr Pate. Mendelssohn erweckt den Anschein des Bekannten und ist hier doch ganz er selbst – und auf der Höhe seiner romantischen Kunst, die er hymnisch geradewegs ins Orchestrale steigert. Einmal mehr ist hier das Ganze so viel mehr als die Summe seiner (gleichen) Teile.

Peter W. A. Krause Die Internationale Felix Mendelssohn Bartholdy Gesellschaft e.V. wurde im Jahre 1992 von zahlreichen Persönlichkeiten, darunter die Dirigenten Kurt Masur und Justus Frantz sowie der damalige Präsident der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Rauhe, gegründet. Zur Präsidentin wurde Frau Prof. Dr. h.c. Hannelore Greve gewählt, die dieses Amt bis heute ausübt. Die Gesellschaft sieht sich in der Verantwortung, das Erbe des Komponisten in seiner Geburtsstadt Hamburg zu pflegen und in die Öffentlichkeit hineinzutragen.

Dies geschieht in erster Linie durch Konzerte und Vorträge. Im Besonderen fühlt sich die Gesellschaft der Förderung des künstlerischen Nachwuchses an der Hamburger Musikhochschule verpflichtet, indem sie Studierenden die Möglichkeit eröffnet, Werke Mendelssohns und seiner Zeitgenossen zu erarbeiten und aufzuführen. Weiterhin vergibt sie ein Mendelssohn-Stipendium an besonders qualifizierte und förderungswürdige Studierende. Auch hat die Gesellschaft bisher zwei internationale Mendelssohn- Wettbewerbe in Zusammenarbeit mit der Musikhochschule und der Hamburgischen Staatsoper durchgeführt.

In der Nähe des Standortes des heute nicht mehr vorhandenen Geburtshauses haben die Gesellschaft und die Hamburgische Stiftung für Wissenschaften, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve je ein Denkmal für Felix Mendelssohn Bartholdy und seine als Komponistin in seinem Schatten stehende Schwester Fanny Hensel Mendelssohn errichtet. Ebenso wurde die in der St. Michaelis-Kirche angebrachte Gedenktafel für den Komponisten des „Paulus“ und des „Elias“ von der Gesellschaft gestiftet. Auch erreichte die Gesellschaft, dass die Freie und Hansestadt Hamburg im Stadtteil Eimsbüttel einen Platz nach Fanny Mendelssohn benannt hat.

Regelmäßig finden Vorträge international renommierter Musikwissenschaftler und Historiker über Themen aus Leben und Werk Felix Mendelssohn Bartholdys, seiner Schwester Fanny und seiner Familie statt. Diese Vorträge werden in der Buchreihe der Hamburger Mendelssohn-Vorträge veröffentlicht. Lesungen aus der literarischen Hinterlassenschaft Mendelssohns durch bekannte Schauspieler wie Fritz Lichtenhahn und Christian Quadflieg runden das Programmangebot ab.

Trio für Klavier, Violine und Violoncello d-Moll op. 49
Trio for piano, violin and cello in D minor Op. 49
1. Molto Allegro agitato [8‘49]
2. Andante con moto tranquillo [6‘23]
3. Scherzo. Leggiero e vivace [3‘36]
4. Finale. Allegro assai appassionato [8‘50]
Trio für Klavier, Violine und Violoncello c-Moll op. 66
Trio for piano, violin and cello in C minor Op. 66
5. Allegro energico e con fuoco [9‘47]
6. Andante espressivo [6‘41]
7. Scherzo. Molto allegro quasi presto [3‘38]
8. Finale. Allegro appassionato [7‘36]

BONNARD TRIO

Olena Kushpler, Klavier / piano
Hovhannes Baghdasaryan, Violine /

Koenigskinder ENGELBERT HUMPERDINCK CD Cover

Engelbert Humperdinck „Königskinder“

Vierzehn Opern und Singspiele komponierte Engelbert Humperdinck, der 1854 in Siegburg als Sohn eines Gymnasiallehrers und einer Kantorentochter geboren wurde.

Koenigskinder ENGELBERT HUMPERDINCK CD Cover
ENGELBERT HUMPERDINCK (1854 - 1921) · KÖNIGSKINDER Märchenoper in drei Aufzügen (1897 / 1907 - 1910)
Sechs davon sind Märchenopern, eine blieb bekannt: ›Hänsel und Gretel‹. Der Schatten des Erfolgswerks verdeckt andere, die für ihre Qualität und Theaterwirkung gleiche Aufmerksamkeit verdienten, etwa die ›Königskinder‹. Sie sind wie eine Ergänzung auf die Rückseite von ›Hänsel und Gretel‹ geschrieben.

Das Trio der Hauptakteure gleicht sich: eine (böse) Hexe und zwei junge Leute, die durch harte Prüfungen auf den existenziellen Ernst des Lebens hingeführt werden. Die einen schaffen den Schritt ins Leben, die andern scheitern, weil sie zu gut sind für diese Welt. Die Oper ›Hänsel und Gretel‹ findet zum happy end, die ›Königskinder‹ enden tragisch; die Trauer darüber komponierte Humperdinck lang und ausführlich aus.

Wenn in der Schlusssequenz der knapp dreistündigen Oper erst der Spielmann sein letztes Lied singt, dann die Kinder aus der Stadt den jungen Toten im Abendrot des winterlichen Berges ihr »Königskinder, Königskinder« nachrufen, wird jeder gerührt und ergriffen.

Noch ehe sie ihre Liebe, ihre hohe ethische Einstellung und ihren sozialen Rang verantwortlich leben können, scheiden diese beiden Guten aus der Welt. Das Libretto schrieb Elsa Bernstein- Porges 1894 unter ihrem Pseudonym Ernst Rosmer. Sie kam aus einem musikalischen Haushalt. Ihr Vater Heinrich Porges (1837–1900), Dirigent und Musikschriftsteller, in einer Prager jüdischen Familie aufgewachsen, angeblich ein unehelicher Sohn Franz Liszts und damit Cosima Wagners Stiefbruder, war ein glühender Anhänger Richard Wagners.

Als solchen berief ihn König Ludwig II. von Bayern 1867 als Hofkapellmeister nach München, wo die Familie fortan lebte. Zuvor war sie, noch in Wien, vom jüdischen zum evangelischen Glauben übergetreten.

1880 gehörte Porges mit Engelbert Humperdinck zum Assistentenstab, der die Bayreuther ›Parsifal‹-Uraufführung vorbereitete. Elsa Porges, 1866 in Wien geboren, wuchs in München auf.

Eine Laufbahn als Schauspielerin brach sie wegen eines Augenleidens ab und konzentrierte sich fortan auf das Schreiben insbesondere von Dramen. Aus dem Umkreis des Naturalismus bewegte sie sich immer mehr Richtung Symbolismus und Impressionismus.

Im Oktober 1890 heiratete sie Max Bernstein, als Geheimer Justizrat ein angesehener Anwalt, im Nebenberuf Schriftsteller. Bis zu seinem Tod 1925 unterhielt er mit seiner Frau einen literarisch-musikalischen Salon in der Brienner Straße im Herzen Münchens. Sie führte diesen bis zum Jahre 1939 weiter. Dann musste sie auf Anordnung der Nationalsozialisten ihre Wohnung aufgeben. Angebote, in die USA zu emigrieren, schlug sie aus, weil ihrer Schwester die Ausreise verweigert wurde.

Die enge Beziehung zur Familie Wagner und die Tatsache, dass ihre Tochter mit dem Sohn des Dichters Gerhard Hauptmann verheiratet war, bewahrte sie nicht vor der Lagerhaft.

Am 25. Juni 1942 wurde sie, 76-jährig und praktisch blind, mit ihrer Schwester Gabriele erst nach Dachau, dann nach Theresienstadt deportiert. Gabriele Porges starb nach wenigen Monaten.

Elsa Bernstein erhielt – angeblich auf Intervention Winifred Wagners – den »Prominentenstatus« und überlebte. Sie starb am 2. Juli 1949 bei ihrer Tochter in Hamburg. Die ›Königskinder‹ zählen zur ersten Gruppe ihrer Dichtungen. Zunächst waren sie als Schauspiel gedacht.

Heinrich Porges sprach 1895 Engelbert Humperdinck wegen einer Bühnenmusik an. Der sagte zu, überdachte die Art der Komposition und entschloss sich für ein Melodram. Darin kamen praktisch alle Abstufungen im Verhältnis von Sprache und Musik von normaler Rede bis zum Gesang vor. Die Fassung erntete bei ihrer Premiere in München guten Erfolg. Dennoch wagten nur wenige Opernhäuser, sie nachzuspielen. Humperdinck entschloss sich zehn Jahre später, das Werk zu einer Oper umzuarbeiten.

Der Text musste gekürzt, die Linien der Handlung vereinfacht werden. Elsa Bernstein ließ dem Komponisten dabei freie Hand.

So entstand zwischen 1907 und 1910 die Oper ›Königskinder‹. Der Form nach baut sie auf Wagners Musikdramen auf, bezieht sich hörbar auf dessen Werke, auf die Harmonik und Zeitgestaltung in ›Tristan und Isolde‹, auf die Festszenen der ›Meistersinger‹. Humperdinck übernahm nicht die streng zuordnende Komposition mit Leitmotiven, die Personen, Beziehungen oder Handlungsweisen charakterisieren. Er ersetzte sie durch »Erinnerungsmotive « und atmosphärisch-klangliche Entsprechungen, die der Musik größere Beweglichkeit lassen.

Deutlicher als Wagner setzte er Stilebenen zur Kennzeichnungen dramatischer Milieus ein. Der zweite Akt trägt eine vollkommen andere Grundfarbe als der erste, der dritte unterscheidet sich trotz aller Querbezüge erkennbar von den beiden anderen.

Der Volkston ist in diese Stilistik bruchlos einbezogen. Einzelne melodramatische Elemente übernahm der Komponist auch in die Oper, kurze gesprochene Passagen, vor allem aber die Komposition des Zeiterlebens, die dramatischen Verdichtungen im zweiten Akt und die nachsinnenden Dehnungen am Schluss.

Zwischen Wagners ›Tristan‹, Debussys ›Pelléas et Mélisande‹ und Richard Strauss‘ ›Elektra‹ markieren die ›Königskinder‹ eine eigene Position in einer Zeit des geschichtlichen Umbruchs. Habakuk Traber Synopsis

I. Akt: Vor der Hütte der Hexe im Hellawald

Tief im Wald in den Hellabergen, weit weg von den Wohnsiedlungen der Menschen, lebt ein junges Mädchen bei einer Hexe, die sich als seine Großmutter ausgibt. Vater und Mutter seien tot.

Die Waise, in Wirklichkeit königlicher Herkunft, dient als Gänsemagd. Ihre Sehnsucht, zu den Menschen zu kommen, beantwortet die Hexe mit einem Bann, der das junge Mädchen an die Waldgegend bindet, und mit dem Befehl, aus giftigen Zutaten ein unverderbliches Brot zu backen. Während einer kurzen Abwesenheit der Hexe trifft ein Königssohn, der aus dem Wald kommt, die Gänsemagd. Sie lieben sich, er will sie mit sich nehmen, doch sie kann sich vom Bann nicht befreien.

Die Hexe erfährt von der Begegnung und sperrt die Gänsemagd ein. Spielmann, Holzhacker und Besenbinder – Vertreter von Berufen am unteren Ende der sozialen Skala – erzählen, dass die Leute in Hellabrunn einen König wollen, und fragen die Alte um Rat. Wer am nächsten Tag zur Mittagsstunde durchs Tor die Stadt betrete, werde der wahre König sein, prophezeit sie. Der Spielmann klärt die edle Herkunft der Gänsemagd auf, sie berichtet den Gästen vom Besuch des Königssohns. Nunmehr gewiss, dass sie die Königinnenwürde verdiene, zieht sie mit dem Spielmann los, um den Königssohn zu suchen.

II. Akt: Auf dem Stadtanger von Hellabrunn

Hellabrunn bereitet ein Fest vor: Man erwartet den Einzug des Königs, wie von der Hexe verheißen. Der Königssohn ist schon in der Stadt, als Bettler übernachtete er im Schweinestall des Wirts, dem er seine Dienste anbietet; er nimmt sogar die Arbeit als Schweinehirt an, denn ein künftiger König müsse sich in der Niedrigkeit der Existenz bewähren.

Er wehrt die Zudringlichkeit der Wirtstochter ab, träumt von der Gänsemagd. Die Stadttore werden verschlossen gehalten, damit keiner die Mittagsstunde abpasse, um sich zum König zu machen. Die Argumente des Prinzen in Bettlergestalt, dass man einen König nicht an äußerer Pracht erkenne, weil er auch als Armer verkleidet kommen könne, beantwortet das Volk mit Hohn. Zum Schlag der Mittagsglocke zieht die Gänsemagd mit ihren Tieren durchs Tor. Der Königssohn begrüßt sie als Königin und schließt sie in die Arme. Die Menge will die beiden nicht als Herrscherpaar anerkennen und jagt sie aus der Stadt. Der Spielmann, der für sie argumentierte, wird gefangen genommen und misshandelt. Nur das Töchterchen des Besenbinders erkennt, dass sie die Könige waren.

III. Akt: Vor der Hütte der Hexe Winter.

Die Hütte der Hexe ist vom Hellabrunner Mob demoliert, die Fenster eingeworfen, die Hexe selbst verbrannt. In der Hütte haust der Spielmann, der aus der Stadt verbannt wurde. Holzhacker, Besenbinder und die Kinder wollen ihn zurückholen. Er verspricht, mit den Kindern das junge Königspaar zu suchen. Derweil kommt der Königssohn, in ein Bärenfell gekleidet, mit der Gänsemagd auf dem Arm über den Berg zur Hütte. Er bittet um Essen und Trinken für die Kranke. Der Holzhacker weist ihn ab. Der Königssohn zerschlägt die Krone und bietet Gold für etwas Nahrung.

Holzhacker und Besenbinder geben ihm das Brot, das die Gänsemagd einst für die Hexe backen musste. Beide essen davon und sterben. Der Spielmann setzt die Bruchstücke aus Gold zur Krone zusammen, sucht nach den Königskindern, findet sie tot im Winterwald und nimmt mit den Kindern aus der Stadt Abschied von ihnen.

CD 1 – I. Akt: Vor der Hexenhütte im Hellawald
1 Einleitung ›Der Königssohn‹ . [5‘42]
2 Hexe, Gänsemagd ›He Trulle! Wo mag sie nur stecken?‹ . [10‘40]
3 Gänsemagd ›Ach, ich bin allein!‹ . [2‘55]
4 Königssohn, Gänsemagd ›Ich biete dir gute Zeit, schöne Gänsekönigin!‹ . [18‘26]
5 Hexe, Gänsemagd ›Hörst du nicht?‹ . [2‘16]
6 Spielmann, Hexe, Holzhacker, Besenbinder ›Drei Narren zogen aus‹ . [9‘59]
7 Hexe, Spielmann, Gänsemagd ›Was packst du dich nicht mit deinen Gesellen?‹ . [9‘33]

CD 2 – II. Akt: Auf dem Stadtanger von Hellabrunn
1 Einleitung ›Hellafest und Kinderreigen‹ . [3‘06]
2 Stallmagd, Wirtstochter, Königssohn ›Jungfer, das ist ein Leben in der Stadt!‹ . [7‘25]
3 Königssohn ›Ei, ist das schwer, ein Bettler sein!‹ . [3‘51]
4 Einige Burschen, Torwächter, Mädchen, Wirt, Stallmagd, Königssohn, Kinder
›Torwächter, macht uns auf!‹ . [4‘14]
5 Volk, Wirt, Stallmagd, Kinder, Besenbinder, Holzhacker ›Vivat der Holzhacker!‹ . [2‘57]
6 Töchterchen des Besenbinders ›Du! Mann!‹ . [1‘55]
7 Volk, Ratsältester, Königssohn, Holzhacker, Schneider, Besenbinder,
Kinder, Wirt, Wirtstochter ›Die Ratsherren kommen‹ . [7‘40]
8 Ratsherren, Königssohn, Holzhacker, Besenbinder, Frau, Schneider, Gänsemagd,
Stallmagd, Wirtstochter, Wirt, Spielmann, Volk, Ratsältester,
Töchterchen des Besenbinders ›Die Glocken! Mittag!‹ . [6‘37]

CD 3 – III. Akt: Vor der Hütte der Hexe
1 Einleitung ›»Verdorben – gestorben« – Spielmanns letzter Gesang‹ . [9‘20]
2 Spielmann ›Meine grauen Täublein!‹ . [2‘20]
3 Holzhacker, Spielmann, Besenbinder, Töchterchen des Besenbinders, Kinder
›Hier, Besenbinder, hier ist die Wende.‹ . [12‘05]
4 Gänsemagd, Königssohn, Holzhacker, Besenbinder ›Du Lieber!‹ . [3‘39]
5 Gänsemagd, Königssohn ›Wir sind Bettler!‹ . [10‘21]
6 Königssohn, Gänsemagd, Holzhacker, Besenbinder ›Einst hatt ich Gold‹ . [3‘48]
7 Königssohn, Gänsemagd ›Hast schon wieder ein wenig Rot‹ . [9‘01]
8 Spielmann, Holzhacker, Besenbinder, Töchterchen des Besenbinders, Kinder
›Tapfer, ihr Kinder, voran!‹ . [7‘53]
Gesamt . [156‘00]

ENGELBERT HUMPERDINCK (1854 – 1921) · KÖNIGSKINDER

Märchenoper in drei Aufzügen (1897 / 1907 – 1910)
Text von Ernst Rosmer (Pseudonym für Elsa Bernstein-Porges)

KLAUS FLORIAN VOGT, Tenor. Königssohn
JULIANE BANSE, Sopran. Gänsemagd
CHRISTIAN GERHAHER, Bariton. Spielmann
GABRIELE SCHNAUT, Mezzosopran . Hexe
ANDREAS HÖRL, Bassbariton. Holzhacker
STEPHAN RÜGAMER, Tenor. Besenbinder
SOPHIA SCHUPELIUS. Töchterchen des Besenbinders
(Solistin des Berliner Mädchenchors) .
WILFRIED STAUFENBIEL, Bass. Ratsältester
ANTE JERKUNICA, Bass. Wirt
JACQUELYN WAGNER, Sopran. Wirtstochter
RENÉ VOSSKÜHLER, Tenor. Schneider
MANUELA BRESS, Mezzosopran. Stallmagd
SÖREN VON BILLERBECK, Bariton. Torwächter
WOLFRAM TESSMER, Bariton. Torwächter
ROKSOLANA CHRANIUK-WIJA, Alt. Frau
RUNDFUNKCHOR BERLIN
(Einstudierung / Chorus Master: Nicolas Fink)
BERLINER MÄDCHENCHOR
(Einstudierung / Chorus Master: Sabine Wüsthoff)
DEUTSCHES SYMPHONIE-ORCHESTER BERLIN

RING ENSEMBLE

RING ENSEMBLE

„Im Jahr 2006 kamen wir, das RING TRIO, auf die Idee, regelmäßig in einem Club zu spielen und uns dazu noch einen Gast einzuladen, um mit ihm gemeinsam mit seiner Musik zu spielen. So entstand unsere Konzertreihe FEATURE RING. Inzwischen haben wir über 35 solcher Konzerte gespielt.

RING ENSEMBLE
RING ENSEMBLE

Unsere Gäste waren unter anderem: Markus Stockhausen, Kurt Rosenwinkel, Celine Rudolph, Marta Topferova, Robyn Schulkowsky, Barbara Buchholz, Michael Schiefel, Aly Keita, Carl Ludwig Hübsch, DJ illvibe, Flowin’ Immo (dt. HipHop), Antonio Ramos (Tanz).

Darüber haben wir auch ein eigenes Repertoire erarbeitet.

Die Musik des RING TRIOs zeichnet sich dadurch aus, dass die Kompositionen aus wenigen, starken Motiven bestehen, um die dann improvisiert wird – geradeso als würde man gemeinsam über ein bekanntes Volkslied improvisieren.

Im RING ENSEMBLE sind die Stücke nun eher durchkomponiert und etwas komplexer, und wir versuchen, die klanglichen Möglichkeiten und die Dynamik der Besetzung auszuloten.

Die Entstehung des RING ENSEMBLES

Ausschlaggebend für die Gründung des RING ENSEMBLES war zum einen, dass wir uns als RING TRIO für eine tiefere Zusammenarbeit mit einer anderen Kunstform interessierten. Zum anderen war es der Wunsch meiner Schwester Ulrike (Barock-Violine) und mir, in einem gemeinsamen Projekt zu spielen. Wann immer wir uns über Musik unterhalten haben, ist uns aufgefallen, wie nah unsere Einstellungen beieinander sind. Unser Vorhaben war in keiner Weise, Barock und Jazz irgendwie zu mixen. Wir wollten einfach aus dem, was wir gemeinsam über Musik denken, eine eigene Musik kreieren.

Warum arbeiten wir mit Barockmusikern? Ich selbst habe 9 Jahre Cello gespielt, dabei sowohl basso continuo als auch im Sinfonieorchester. Die Ästhetik der Barockzeit ist der musikalischen Welt, aus der das RING TRIO stammt (Jazz, Weltmusik, improvisierte Musik), näher als die der Klassik und Romantik.

Barockmusiker haben ein ähnliches Gefühl für Groove. Wir empfinden einen Groove nicht zwingend dann als besonders intensiv, wenn er laut oder akurat gespielt ist, sondern wenn er Bauch hat. Dieses Konzept hat auch die Alte Musik, bei der sich viel um Tänze dreht.

Die Instrumentierung des Trios im RING ENSEMBLE ist angelehnt an Strömungen wie TripHop, BigBeat oder NuJazz. Ob Cinematic Orchestra, Beady Belle oder Bonobo – die Besetzung Fender Rhodes, Kontrabass und Schlagzeug ist typisch für diese Jazz verwandte Jugendkultur und tritt immer dann besonders hervor, wenn es um Beats geht (z.B. bei Trailer nach dem Intro).

Durch seine Kammermusikgröße verfügt das RING ENSEMBLE über einen Farbenreichtum, der mich schon beim sinfonischen Orchester begeistert hat. Darüber hinaus können wir hier mit einer großen Dynamik spielen – von der Intimität eines Duos bis zu aufbrausenden Crescendi in voller Besetzung.

Zu unseren Einflüssen gehört auch elektronische Musik. Was den Einsatz solcher Mittel anbelangt, sahen wir es als Herausforderung, sie nicht neben der Musik klingen zu lassen, sondern ihnen eine gewisse Natürlichkeit und Feinheit zu geben, die den klassischen Instrumenten ebenbürtig ist. Ähnlich beim Fender Rhodes, das leider häufig Harmonie gebend im Hintergrund verschwindet. Ich mag seine eigene Klangcharakteristik, auch als Melodieinstrument, und so wollte ich es einsetzen.


Trailer
– Träumen, was sein wird war unser erstes Stück. Ich mag diese Art zu Träumen, wenn man sich ausmalt, wie etwas sein könnte. Das gibt einem viel Kraft, sich selbst seine Träume zu erfüllen. Und dann ist dieser Traum wie eine Vorschau auf die Wirklichkeit – ein Trailer.

Arabic. Die arabische Welt fasziniert mich schon immer. Ungefähr in der Mitte des Stücks gibt es einen sehr leisen Moment – wie im Auge des Orkans. Ein diffuser Klangteppich der Streicher, aus dem das Ensemble dann wieder emporsteigt. Solche Klänge erinnern mich an die sinfonische Musik von Schostakowitsch.

La Truviata. Ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern Truvia und La Traviata. Truvia ist ein moderner Zuckerersatz, der aus den Blättern der südamerikanischen Stevia-Pflanze gewonnen wird. In gewisser Weise hat er das Leben meiner Freundin Patricia und damit auch meines verändert.

Das Wortspiel mit La Traviata zum einen, weil meine Freundin Opernsängerin ist und zum andern, weil das Stück durch seine vielen Teile etwas Opernhaftes hat.

Die Kunst des Streitens. Inhaltlich geht es um die wunderbare Erfahrung, die ein gut geführter Streit sein kann. Formell ist es ein bisschen ein Gegenkonzept zur Fuge, bei der die beiden Stimmen ja voreinander flüchten sollen. Hier interagieren sie miteinander.

Winzer N°512. Ist der gemeinsamen Arbeit mit meinem Vater im Weinberg meiner Eltern gewidmet.

Bei diesem Stück spürt man die ganze Dynamik des Ensembles: Wir spielen eine ganze Weile als Duo, sodass man sich als Zuhörer an diese Intimität gewöhnt. Dann setzen innerhalb kurzer Zeit alle Instrumente polyphon ein und es verdichtet sich stark.

Außerdem hat der gesamte Mittelteil seinen Schwerpunkt stets auf der vorgezogenen 1 – ein Gefühl, das ich von lateinamerikanischer Musik kenne.

5000 miles away. Das ist die Entfernung von Dresden nach Seoul. Meine Freundin arbeitet teilzeit als Flugbegleiterin bei der Lufthansa und das ist ein häufiges Reiseziel. Durch unsere Berufe sehen wir uns weniger, als uns lieb ist. Nun, das Stück beschreibt meinen Zustand, wenn sie weg ist.

Bei dem Stück habe ich von Anfang an eine sphärische Elektroinstallation gehört. Der lange Aufbau am Schluss ist eine Art Verbeugung vor Damien Rice, der es wunderbar versteht, lange Zeit auf kleiner Flammer zu kochen und am Schluss eine unglaubliche Intensität zu entwickeln.

Electrain habe ich in einer Zeit geschrieben, als ich mich (zu) viel mit elektronischer Musik beschäftigt habe und mir Gedanken um das Verhältnis von Mensch und Maschine gemacht habe. Der Groove am Anfang ist tatsächlich eine gemeinsame Entwicklung des Ensembles in der ersten Probenphase gewesen.

Bolero. Gemeint ist die balladeske Gattung lateinamerikanischer Musik. Es klang in meinem Ohr anfangs tatsächlich ein wenig nach Buena Vista Social Club, hat sich dann aber zu diesem Duo entwickelt. Geblieben sind Melodie, Harmonie und der Titel. Hierbei fällt mir immer wieder auf, wie gut das Rhodes und die Laute miteinander harmonieren. Der lange Soloteil ist inspiriert durch das, was mir an der Musik von Singer/Songwritern Spaß macht. Ich wollte hier selbst nicht solieren, sondern einfach so intensiv wie möglich begleiten.

The colourful clothes of Mr. Kapadia. Mr. Kapadia ist ein Schneider aus Mumbay. Bei meinem Besuch in Indien hat mich am meisten fasziniert, dass die Menschen dort in ihrem Alltag so unglaublich farbenfrohe Stoffe an ihren Körpern und an den Wänden trugen. Ich habe Farben noch nie so leuchten sehen.

Zum anderen ist es ein Plädoyer für die Vielfältigkeit der Menschen. Gerade wenn jetzt immer wieder über Zuwanderung diskutiert wird, möchte ich sagen, dass es sich lohnt, über Unterschiede hinwegzusehen, weil uns andere Kulturen stärker bereichern als sie uns gefährden. Deshalb habe ich auch im Mittelteil viele Stimmensamples überlagert, sie sollen ein Ausdruck des Menschlichen sein.

Heidsieck
. Die Champagner-Marke. Ich wollte das Stück einer Sache widmen, die mir einfach Freude macht.

Im FEATURE RING haben wir mit Schleck und Stecker zusammengearbeitet, zwei DJs, die sonst in den frühen Morgenstunden in Clubs unterwegs sind. In deren Welt geht es viel darum, den perfekten Basedrum-Sound zu finden. Daran wollten wir uns mit unseren Mitteln versuchen.“

RING ENSEMBLE Tourdaten 2011:

19. Februar Verden bestätigt
20. Februar Berlin (A-Trane) bestätigt
22. Februar München (Unterfahrt) bestätigt
21. Mai Landshut bestätigt
22. Mai Chemnitz (Mozart Festival) bestätigt

RING ENSEMBLE – Besetzung

Simon Slowik fender Rhodes, electronics
Felix-Otto Jacobi double bass
Demian Kappenstein drums, percussion
Ulrike Slowik violin
Raquel Massadas viola
Diethard Krause viola da gamba, violincello
Andreas Arend lute, theorbo

1. Trailer – Träumen, was sein wird (5:43) 2. Arabic (3:19) 3. La Truviata (3:41) 4. Die Kunst des Streitens (3:38)
5. Winzer N°512 (5:05) 6. 5000 miles away (5:36)
7. Electrain (4:38) 8. Bolero (5:13) 9. The colourful clothes of Mr. Kapadia (4:17) 10. Heidsieck (4.24)

Twana Rhodes "Home" CD Cover

Twana Rhodes „Home“

Twana Rhodes, ein Name bei dem jeder Musikliebhaber unweigerlich an den Sound des Fender Rhodes E-Piano denken muss. Ein ebenso starkes Klangerlebnis bietet die afro-amerikanische Singer-Songwriterin Twana Rhodes mit ihrer klaren, kraftvollen Stimme, mit der die Jazzsängerin ihr Publikum in sinnliche Stimmungen versetzt.

Twana Rhodes "Home" CD Cover
Twana Rhodes "Home"

Ihre außergewöhnliche Ausstrahlung und ihre intensive Bühnenpräsenz reflektieren nicht nur ihre starke Persönlichkeit sondern zeugen auch von ihrer langjährigen Bühnenerfahrung. Das kommt auch in ihren Kompositionen zum Ausdruck.

Ganz gleich ob es eigenes Material, Jazz Standards, Funk, Soul oder Blues ist, die Intensität und Hingabe von Twana Rhodes Gesangsperformance hinterlassen ihre Wirkung beim Hörer.

Kritiker bescheinigen ihr außergewöhnliche stimmliche Möglichkeiten.
Bei ihr kokettiert der Jazz mit seinen Wurzeln, mischt sich mit Elementen aus Soul, Blues und Rock. Ihre Musik ist pure Emotionalität, welche sich in den Kompositionen ebenso widerspiegelt wie in den Texten, die autobiographisch und voller Leidenschaft sind.

In Oklahoma geboren wächst Twana in El Paso Texas auf und sammelt erste Erfahrungen im Entertainment Business schon früh als Gewinnerin eines Talentwettbewerbs.

Sie erhält ein Stipendium für das Fach Musical an der Universität in San Diego, wo sie ihren Fokus vom Tanz auf das Singen verlegt. Wenig später übernimmt sie ihren ersten Job als Darstellerin in einer Show in Disneyland.

Ihr erster Versuch Schule und Eltern (ihr Vater war Offizier der US-Army, ihre Mutter Lehrerin) hinter sich zu lassen endet mit einem dreiwöchigen Leben im Auto auf den Straßen von Los Angeles, abgebrannt und ohne Wohnung.

Nach Hause zurückgekehrt beginnt sie eine Ausbildung in Business Marketing, doch als das Angebot für einen Job als Sängerin an Bord eines Kreuzfahrtschiffes in der Karibik kommt, ergreift sie die Gelegenheit und verlässt ihre Heimat für immer.

Von dort aus verschlägt es sie nach Amsterdam, wo sie am Sweelink Conservatory of Music studiert und ihr Talent als Sängerin und Komponistin entwickelt und sich schließlich für eine professionelle Musikkarriere entscheidet.

Sie taucht in die lokale Jazz Szene ein, tourt mit verschiedenen Bands in ganz Europa und erntet große Anerkennung für Auftritte bei Festivals in den Niederlanden und Deutschland.

Von Amsterdam geht es nach Köln und später nach Berlin, wo sie ein einjähriges Engagement am Friedrichstadtpalast bekommt. 2001 veröffentlicht sie ihr erstes Album „Calling Card“. Es ist eine Kopplung, nachdem der Versuch ein Studioalbum aufnehmen gescheitert war.

Als zweite Veröffentlichung und erstes richtiges Studioalbum erscheint 2005 „Thru the night“ und bringt ihr gleich eine Einladung zum Stuttgart Jazz Open. Dort tritt sie mit George Benson und Al Jarreau auf, die von ihren Fähigkeiten beeindruckt sind.

Ihr neustes Werk, das Album „Home“ produziert sie in New York mit Adam Holzman.

Der ehemalige Keyboarder der Miles Davis Band spielt ein paar Songs davon seinem Vater Jac vor, der als Gründer von Electra Records eine lebende Legende des amerikanischen Musikbusiness ist und in den 60er Jahren Bands wie die Doors und Queen entdeckte.

Jac Holzman ist begeistert von dem Material und wird zum Mentor dieses Projektes. Seine wertvollen Hinweise motivieren das Team zur Perfektion und helfen „Home“ auf den Punkt zu bringen.

Auf dem so entstandenen neuen Album bietet Twana dem Hörer erneut tiefe Einblicke in ihr Gefühlsleben. Während es auf dem letzten Album „Thru the Night“ eher um die dunkle Seite des Lebens geht, steht „Home“ für die Rückkehr zu sich selbst, zum Kern des eigenen Ichs. Es geht um Identität, Selbstreflektion, Verzweiflung und Wiederentdeckung. Die Songs von „Home“ sind abermals intuitive Gefühlsäußerungen, ein Spiegelbild des momentanen Gesamtbefindens der Künstlerin. Mit graziöser Sinnlichkeit und swingender Leichtigkeit singt sie diese Songs, die unter die Haut gehen und von edlen Beats, lässigen Grooves, und schönen Basslinien geprägt sind. Die dezenten, teilweise minimalistischen Arrangements bieten die perfekte Basis für die Vocals von Twana Rhodes. „Take me Back“ besticht mit einem betörenden Groove. Die Drums sorgen im Zusammenspiel mit akustischer Gitarre und Piano bei „Turn out the light“ für eine besondere Atmosphäre. Bei „I Do“ setzt die E-Gitarre mit dezenten Effekten Akzente und „Cherish the People“ überrascht mit einem rockigen Gitarrenriff.

Von der Entstehung dieses Albums und der Arbeit im Studio und der besonderen Chemie mit der Band ist Twana immer noch beeindruckt: „Die Songs am Ende fertig produziert im Control Room des Avatar Studios zu hören war für mich ein einmaliges Erlebnis.“
Twana Rhodes ist ihrer Inspiration mit Mut und Zuversicht gefolgt und sie ist dankbar und glücklich darüber ihren Weg gegangen zu sein. Ein wundervolles Album ist aus der Kraft ihrer Inspiration und Motivation entstanden und das ohne die Hilfe von Plattenfirma und Management.
Für sie ist es „der Sieg im Kampf gegen ihre eigenen Ängste und das Ziel einer langen Reise in den Glauben: „Ich habe es geschafft weil ich nicht aufgegeben habe: Just keep going, eventually you’ll get there. Musik machen und andere damit Inspirieren, das ist es was ich anzubieten habe. Und ich erfreue mich selbst an jedem einzelnen kleinen Moment, der mich inspiriert weiterzumachen.“

Joe Lovano - Us Five "Bird Songs" CD Cover

Joe Lovano | Us Five „Bird Songs“

„Ich sehe das gar nicht so sehr als Tribute-Album“, bemerkt Joe Lovano und greift damit jeder unbedachten Kritik vor, dass sein neues Album „Bird Songs“, eine Entdeckungsreise in die Welt des Charlie Parker, in irgendeiner Weise rückwärtsgerichtet sein könnte.

Joe Lovano - Us Five  "Bird Songs" CD Cover
Joe Lovano - Us Five "Bird Songs"

Sein mittlerweile 22. Album für Blue Note, das zugleich sein 20-jähriges Jubiläum auf dem Jazzlabel markiert, bricht bewusst mit der Tradition gängiger Tribute-Alben. „Bird Songs“ ist ein spannender, abenteuerlicher, moderner und sehr persönlicher Blick auf einen Giganten der Jazzgeschichte von einem der wichtigsten Jazzer unserer Zeit.

Us Five erwies sich dabei als perfektes Umfeld für diese Entdeckungsreise. Lovanos dynamische junge Band, zu der neben den beiden Schlagzeugern Otis Brown III und Francisco Mela noch die Bassistin Esperanza Spalding und der Pianist James Weidman gehören, schlägt schon seit einigen Jahren Jazzfans aus aller Welt in den Bann.

Ihr erstes gemeinsames Album, „Folk Art“ aus dem Jahr 2009, das mit einem superben Set Lovanos Kompositionskünste demonstrierte, brachte der Band postwendend den JJA Jazz Award 2010 als bestes kleines Ensemble des Jahres ein, sowie den Gewinn als beste Jazzgruppe des Jahres beim DownBeat Critics Poll 2010. Lovano durfte sich zudem über ein doppeltes Tripel freuen, als er sowohl bei den JJA Awards als auch von DownBeat zum besten Jazzmusiker und zum besten Tenorsaxophonisten gewählt wurde.

„Wir versuchen, aus jedem möglichen Blickwinkel heraus zu spielen“, beschreibt Lovano die Arbeitsweise von Us Five. „Wir lassen einander viel Raum, was dem Gefühl der Musik dienen soll, und gehen immer spontan auf frisch entstandene Ideen ein. Jeder ist zugleich Leader und Anhänger. So entsteht bei unserem Zusammenspiel ein ganz eigener Zauber.“

Ein wichtiger Faktor bei der Herangehensweise an das Projekt „Bird Songs“ war, dass Lovano Charlie Parker alles Museale nahm und ihn förmlich in ein lebendes und pulsierendes Raum-Zeit-Kontinuum setzte, bei dem die Musiker, die auf Birds Entwicklung einen entscheidenden Einfluss hatten (Coleman Hawkins, Lester Young, Ben Webster), genauso in Betracht gezogen wurden wie jene Musiker, die wiederum von Birds Musik nachhaltig beeinflusst worden sind (John Coltrane, Ornette Coleman, Wayne Shorter). Am wichtigsten war es Lovano jedoch, Parkers Musik möglichst persönlich zu interpretieren.

„Ich habe erst gar nicht versucht so wie Charlie Parker zu spielen“, erklärt Lovano. „Ich habe beim Spielen jedoch sowohl seine Einflüsse und Ursprünge berücksichtigt als auch den Einfluss all dieser wahnsinnigen Musiker, die sich als seine Schüler sahen. Ich habe mich auf die unglaublichen Kompositionen konzentriert, auf die Themen, die harmonischen Strukturen und auf die Form der Stücke, die ich versucht habe, zu öffnen und auf den Kopf zu stellen, um meine eigenen melodischen und rhythmischen Variationen zu kreieren. Ich wollte einfach ganz eigene Aufnahmen entstehen lassen und nicht bloß die Geschichte eines Anderen nacherzählen.“

Wie bei vielen jungen Jazzmusikern war Birds Musik auch für Joe Lovano eine Initiation. Er spielte wie Parker zunächst Altsaxophon, bevor er als Teenager auf das Tenorsaxophon wechselte. „Mein Dad hat Charlie Parker in den späten 40ern und frühen 50ern noch live erlebt, wenn er nach Cleveland kam“, erinnert sich Lovano, dessen Vater Tony „Big T“ Lovano selbst ein bekannter Saxophonist war.

„Er besaß viele Aufnahmen und hatte die Male, die er Bird hat spielen sehen, in bester Erinnerung, wovon er denn auch gerne erzählte. Ich war etwa zwei Jahre alt, als Charlie Parker starb, aber die Begeisterung meines Dads für sein Spiel und sein Einfluss haben sich auch auf mich übertragen. All die Jahre Charlie Parkers Musik zu spielen und seine Melodien und Kniffe zu studieren, war von Anfang an für mein eigenes Saxophonspiel sehr lehrreich.“

Lovano entschied sich jedoch dafür, die „Bird Songs“ nicht auf Parkers angestammten Instrument aufzunehmen, sondern spielte acht der insgesamt elf Tracks, die alle von Parker geschrieben wurden respektive mit ihm verbunden werden, auf seinem Tenorsaxophon. Die Ausnahmen bilden das auf dem Altsaxophon gespielte „Blues Collage“, das mit seinem einzigartigen Aulochrome, einer Art Doppel-Sopran, aufgenommene „Birdyard“ sowie das von Lovano hier erstmals eingesetzte G-Mezzosopran auf „Lover Man“. „Für mich ist das Tenorsaxophon meine Stimme“, erklärt er. „Ich experimentiere viel mit unterschiedlichen Blasinstrumenten, um neue Ideen auszuprobieren, aber ich wollte mich diesmal aufs Tenor konzentrieren, weil ich mich damit einfach identifiziere.“

Die Idee zu „Bird Songs“ hatte in den letzten Jahren Form angenommen, nachdem Us Five auf Barbados ein Konzert gegeben und dafür ein spezielles Arrangement von Parkers Bluesnummer „Barbados“ einstudiert hatten. „Das war quasi der Ausgangspunkt für die Idee, sich auf Birds Kompositionen zu konzentrieren. ‘Barbados‘ hat ein ansteckendes Thema und wir haben versucht, das karibische Gefühl einzufangen und bis zum Ende durchzuhalten.“

Was bei „Bird Songs“ wirklich erstaunt, ist, dass Lovano an jedem Stück weit über die gängigen Interpretationen hinaus geht und so einem der abgegriffensten Kataloge des Jazz förmlich neues Leben einhaucht. „Donna Lee“, das normalerweise als strahlendes Uptempo-Stück gespielt wird, ist ein schönes Fallbeispiel: „Das ist eines der Stücke, bei denen schon der Titel eine Spielweise nahelegt, an die auch ich mich ein ganzes Leben lang gehalten hatte. Diesmal habe ich es aber auf den Kopf gestellt, habe mir die Harmonien vorgenommen und das Tempo rausgenommen. Ich verfolgte dabei eher den Ansatz von Coleman Hawkins, die Art und Weise, wie er ‘Body And Soul‘ gespielt hat. Für mich ist Coleman Hawkins, The Hawk, ein Vorläufer von Bird und hat diesen stark beeinflusst.“

„Moose The Mooche“ ist ein weiterer Parker-Klassiker, bei dem Lovano das Tempo deutlich verlangsamt hat, wobei er die Melodie zerlegte und die einzelnen Teile neu zusammenfügte. „Ich nahm kleine Teile des zentralen Themas und stellte sie in den Hintergrund. Die Rhythmus-Sektion konzentrierte sich gleichzeitig auf ein rhythmisches Motiv. Ich zügelte das Tempo und spielte mit einem vom John Coltrane Quartett beeinflussten Funk-Groove, der mir mehr Interpretation erlaubte. Wenn man das Stück schneller spielt, muss man es auf eine bestimmte Weise spielen, während mir die Verlangsamung viel mehr Freiheit erlaubte, die Melodie auf meine eigene Art und mit eigenen Gefühlen zu spielen.“

„Ko Ko“ avancierte zum Stream-of-consciousness-Paradestück des Trios Lovano, Brown und Mela, wobei die beiden Drummer kontinuierlich das Tempo zu wechseln scheinen und Lovano so frei improvisiert, dass die Melodie in einzelne Bruchstücke aufsplittert. „Wir improvisieren hier so sehr, dass dieses Stück genau so unglaublich modern klingt, wie es das eigentlich auch ist.“

„Blues Collage“ ist ein aus drei Bluesstücken Parkers zusammengefügtes Trio-Arrangement mit Lovano am Altsaxophon. „Charlie Parker hat eine erstaunliche Anzahl an Bluesstücken geschrieben und jedes ist ein Klassiker. Da brauchte ich nur drei auszusuchen. Ich spiele ‘Carvin The Bird‘, Esperanza Spalding legt das Gewicht auf ‘Bird Feathers‘ und James Weidman auf ‘Bloomdido‘. Wir teilen uns das Stück untereinander als eine kleine Fuge. Auf ‘Dewey Square‘ habe ich das Schlagzeug in den Vordergrund gestellt und wir spielen hier mit einem eher brasilianischen Rhythmusgefühl. Innerhalb der Band gibt es so viele unterschiedliche Einflüsse aus der Welt der Musik, dass ich dies auch auf diesem Album zum Ausdruck bringen wollte. Diese Stücke von Bird waren dafür aber auch bestens geeignet.“

Die „Yardbird Suite“ findet sich auf dem Album in zwei unterschiedlichen Versionen. Zunächst als „Birdyard“, ein Stück, für das Lovano sein Aulochrome zum Einsatz bringt. „Ich habe eine Phrase aus der ‘Yardbird Suite‘ genommen und sie wie eine Art wirbelnder Derwisch durch fünf Akkorde gejagt und darüber mit meinem Aulochrome improvisiert. Allein die Vorstellung, dass Charlie Parker so ein Instrument gehabt und mit dessen Möglichkeiten seine Ideen hätte verwirklichen können, ist geradezu unglaublich.“

Die Version von „Yardbird Suite“, die das Album beendet, ist die perfekte Zusammenfassung des abenteuerlichen Spirits, der auf Lovanos Projekt vorherrscht. „Diese Umsetzung ist mir eines Tages eingefallen, als ich diese Melodie wie eine Hymne empfand, wie ein Spiritual. Ich begann das Stück zunächst ohne Begleitung auf dem Saxophon zu spielen. Nach und nach hörte ich alle anderen Teile, fügte ein Zwischenspiel hinzu und ging dann zu einem tanzartigen 6/8 über, was eine ganz neue Facette des Stücks eröffnete.“

Joe Lovano hat mit „Bird Songs“ mehr als ein würdiges Album zum 20-jährigen Jubiläum auf Blue Note kreiert, eine Zeitspanne, die Lovano als Mensch und Musiker definiert hat. „Mit Bruce Lundvall in all den Jahren zu arbeiten, war eine wahnsinnig schöne Erfahrung. Ich hatte nicht nur die Möglichkeit, meine Entwicklung als Komponist und Improvisator zu dokumentieren, sondern konnte auch in den vielen Jahren meine Beziehungen zu herausragenden Musikern pflegen. Alles steht und fällt mit den Menschen, mit denen du lebst und mit denen du Musik entdeckst, und die dich zu dem Musiker machen, der du bist. Ich habe das Glück gehabt, all das verwirklichen zu können und einiges an Musik zu kreieren, auf das ich wirklich stolz bin.“

„Beim Zusammenstellen dieser Platte habe ich mich häufig gefragt, wie Bird wohl seine Stücke weiterentwickelt hätte, nicht nur als der unglaubliche Solist, der er war, sondern auch als Arrangeur und Bandleader. Von dem, was wir über ihn wissen, ist es sicher, dass er weit über Jazz und BeBop hinaus an den Möglichkeiten der Musik interessiert war, und ich bin mir sicher, dass er uns mit jedem neuen Schritt genauso überrascht hätte wie Miles, Coltrane, Sonny und Ornette, vier seiner profiliertesten und besten Nachfolger.

Als Charlie Parker im Alter von 34 Jahren starb, hat er viele Fragen offen gelassen, was aus ihm geworden wäre. Diese Aufnahmen sind mein bescheidener Versuch, einige dieser Fragen auf meine eigene Art zu beantworten.“

Billion-Dollar-Babies Cd Cover

Billion Dollar Babies ‚Die 4 Diamonds‘

Borlänge, Schweden, 5 junge Hardrockmusiker finden sich zusammen und gründen im örtlichen Umfeld von Sabaton und Mando Diao die Formation “Billion Dollar Babies“; sie orientieren sich dabei an ihrer musikalischen Liebe und sind beeinflusst von Bands wie Kiss und Mötley Crüe – wie sie selbst hinzufügen “unter der Regie von Quentin Tarantino“.

Billion-Dollar-Babies Cd Cover
Billion Dollar Babies – ’Die 4 Diamonds’ VÖ 04.02.2011

Bereits mit ihrer ersten EP namens “Stand Your Ground“ legten sie eine internationale Grundlage und erreichten zahlreiche Fans von Hard- und Glamrock-Musik, was als Folge immer mehr Konzerte hatte (und dies für schwedische Verhältnisse sehr ungewöhnlich ist)- Ihre explosive und unterhaltsame Live-Show zog immer mehr Fans in den Bann und führte die Band trotz ihres “Unsigned“-Status mittlerweile auf die größten Festivalbühnen in Schweden, nämlcih zu “Sweden Rock“ und dem größten aller Festivals im Land der Elche: “Peace & Love“.

Vielen Konzertbesuchern der symphatischen fünf Musiker um Frontmann und Entertainer Frankie Rich sind nach der Show angetan von der Energy, Charisma & Attitude der Skandinavier, und beflügelt durch zahlreiches positives Feedback entstand mittlerweile das Debutalbum der Band, welches am 04.02.2011 auch in Deutschland erhältlich sein wird und auf den Namen “Die 4 Diamonds“ hört.

Ein feines Heavy Glam Metal-Album, das Billion Dollar Babies eine perfekte Grundlage für eine Karriere auch auf dem europäischen Festland ermöglichen wird. Im Frühjahr 2011 soll bereits eine erste Tournee in Deutschland stattfinden, um genau die angesprochenen Erfolgsfaktoren auch dem deutschen Publikum zu beweisen.
Die Band verspricht: “Erwartet eine großartige Live-Show mit vielen Effekten und Gimmicks“.

Billion Dollar Babies Band:

Frankie Rich – Vocals
Jon Silver – Guitars & Vocals
Nic Lester – Bass & Vocals
Pat Kramer – Guitars & Vocals
Robban XIII – Drums & Vocals

www.billiondollarbabies.nu

SEX Report DVD Cover

SEXREPORT erscheint auf DVD

Die erfolgreiche Pro7-Reihe SEXREPORT erscheint im Frühjahr 2011 auf DVD.

SEX Report DVD Cover
Die erfolgreiche Pro7-Reihe SEXREPORT erscheint im Frühjahr 2011 auf DVD
Wie lieben wir? Wie aufgeklärt sind unsere Teenies? Und wie hat das Internet unsere Sexualität verändert? In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung wurde 2008 die bisher größte Sex-Studie Deutschlands durchgeführt.

55.992 Frauen und Männer nahmen teil und beantworteten bis zu 200 Fragen. „Nie zuvor standen Sozialwissenschaftlern und Sexualforschern so viele aktuelle Daten zum Thema Sex zur Verfügung“, sagt Dr. Jakob Pastötter, Präsident der Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS).

Gemeinsam mit Dr. Anthony Pryce und Dr. Nick Drey von der City University in London betreute er die Durchführung und Auswertung der Studie. Schon die ersten Ergebnisse sind interessant: 37,1% der Männer gaben in der Online-Umfrage zu, schon mal untreu gewesen zu sein.

Die Rate der weiblichen Seitenspringer liegt sogar bei 38,9 %. Bei Männern ist Oralsex die beliebteste Sexpraktik, gefolgt von der Reiterstellung und der Hündchenstellung. Auf der Hitliste der Frauen steht die Missionarsstellung ganz oben. Auf Platz 2 rangiert die Hündchenstellung, auf Platz 3 die Reiterstellung.

Mehr Ergebnisse zeigen wir auf unserer DVD-Reihe, die im Frühjahr 2011 erscheinen wird. Kommentiert wurden die Ergebnisse von Oswalt Kolle † – Aufklärer und Revolutionär der 70er-Jahre – und glühender Verfechter sexueller Offenheit. „In den letzten 40 Jahren hat sich unglaublich viel verändert“, sagt er. „Wir reden offener, wir sind toleranter. Das Miteinander zwischen Männern und Frauen klappt besser, als ich es mir je vorgestellt hätte.“

„Dies ist die größte und umfassendste Erhebung zur Sexualität in
der Geschichte der Bundesrepublik“, sagt Dr. Jakob Pastötter,
Präsident der Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche
Sexualforschung.

SEXREPORT – Zahlen und Fakten
Insgesamt 55.992 Frauen und Männer nahmen im Gesamtzeitraum vom 16.5. bis 31.7.2008 an der Internetstudie teil.

Die folgenden Werte beziehen sich auf 26.032 Teilnehmer, deren Antworten in einem ersten Schritt ausgewertet wurden.

Die DVD-Reihe wird jedoch die Endergebnisse repräsentieren. Von den bisher ausgewerteten Teilnehmern waren

52,8 % Frauen
47,2 % Männer
37,3 % Singles
62,6 % in fester Partnerschaft (0,1 % ohne Angabe)
88,9 % Heterosexuell
1,8 % Homosexuell (schwul)
0,9 % Homosexuell (lesbisch)
6,5 % Bisexuell (1,9 % ohne Angabe)

Prof. (US) Dr. Jakob Pastötter ist Präsident der Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS). Der 43-Jährige promovierte an der Berliner Humboldt-Universität und ist Professor an der American Academy of Clinical Sexologists. Für den Sexreport erstellte er gemeinsam mit seinen Kollegen von der City University in London, Dr. Anthony Pryce und Dr. Nick Drey den Fragebogen für die Sexstudie 2008 und nahm die statistische Auswertung der Daten vor.

Überraschend leidenschaftlich: Erste Ergebnisse der Studie
Die Sexstudie brachte viele überraschende und interessante Ergebnisse ans Licht. Hier die ersten ausgewerteten Fragen:

* Mehr Abwechslung, bitte!
50% der befragten Frauen hätten gerne mehr Sex. Abwechslungsreicheren Geschlechtsverkehr wünschen sich sogar zwei Drittel. Bei den Männern wollen 61% mehr Sex. 69% wünschen sich, dass ihr Sexleben abwechslungsreicher wäre.
* Akademisches Viertel?
Die meisten Männer (23,6%) wie auch die meisten Frauen (22,4%) halten 15 Minuten für die optimale Dauer des Geschlechtsverkehrs.
* Seitensprung: Nicht nur für Männer
37,1% der Männer gaben in der Online-Umfrage zu, schon mal untreu gewesen zu sein. Die Rate der weiblichen Seitenspringer liegt sogar bei 38,9%.

Folge 1: Bestandsaufnahme
Haben wir heute besseren Sex als vor 40 Jahren? 139 Mal im Jahr haben wir Deutschen im Durchschnitt Sex.

In den 60er Jahren waren es 130 Mal. Sechs verschiedene Stellungen praktiziert der Durchschnittsdeutsche dabei. Selbst Pornographie ist salonfähig geworden. Der Endokrinologe Dr. Jörg Puchta überprüft in einem Experiment, was befriedigender ist: der Orgasmus bei der Selbstbefriedigung oder beim Sex mit dem Partner.

Dr. Martin Walter von der Uni Magdeburg untersucht, was beim Betrachten pornographischer Bilder im Gehirn passiert.

Die Folgen der Reihe SEXREPORT im Überblick:

Die Doku: Von Aufklärungsnotstand bis Internet-Erotik
Wie haben das neue sexuelle Selbstbewusstsein der Frau, der Rollenwandel des Mannes vom Macho zum einfühlsamen Liebhaber oder das Internet unsere Sexualität verändert? Der „Sexreport“ berichtet über die auffälligsten Veränderungen unserer Sexualität durch moderne Einflüsse, wie z.B. das Internet: das neue sexuelle Selbstbewusstsein der Frau, den Rollenwandel des Mannes vom Macho zum einfühlsamen Liebhaber, den Aufklärungsnotstand bei Jugendlichen und die Spielarten monogamer und freier Liebe.

Die Macher der Doku- Reihe liefern unerwartete Studienergebnisse, befragen Singles und Paare vor der Kamera und präsentieren die Meilensteine der Entwicklung in deutschen Betten – von der Verklemmtheit der 60er-Jahre über die sexuelle Revolution der 70er bis hin zur Übersexualisierung des Alltags durch Werbung und Internet heute. Was hat sich in 40 Jahren verändert?

Produziert wird die Reihe von der „Bilderfest GmbH“, deren Inhaber Dietmar Lyssy und Marcus Uhl für ProSieben bereits TV-Erfolge wie „Die sieben Todsünden“ und „Galileo Spezial:Apokalypse“ produziert haben. Für die DVD-Veröffentlichung war eine Teilaufarbeitung durch Musketier Media nötig.

Kapitel 1 – Bestandsaufnahme: Haben wir heute besseren Sex als vor 40 Jahren?

139 Mal im Jahr haben wir Deutschen im Durchschnitt Sex. In den 60er Jahren waren es 130 Mal. Sechs verschiedene Stellungen praktiziert der Durchschnittsdeutsche dabei. Selbst Pornographie ist salonfähig geworden. Der Endokrinologe Dr. Jörg Puchta überprüft in einem Experiment, was befriedigender ist: der Orgasmus bei der Selbstbefriedigung oder beim Sex mit dem Partner. Dr. Martin Walter von der Uni Magdeburg untersucht, was beim Betrachten pornographischer Bilder im Gehirn passiert.

Kapitel 2 – Die Frau: Wie kommt sie am besten?
50 % der Frauen hätten laut der aktuellen Sexstudie gerne mehr Sex, zwei von drei wünschen sich abwechslungsreicheren Geschlechtsverkehr. Besonders wichtig für die Frau von heute ist der Orgasmus. Im „Sexreport“ machen sich sieben Frauen auf die Suche nach ihrem Höhepunkt. Gemeinsam mit der Psychotherapeutin Hildegard Stienen erkunden sie ihre erogenen Zonen. Wie muss eine Frau stimuliert werden, um besonders leicht zum Orgasmus zu kommen? Und: Denken Frauen tatsächlich weniger oft an Sex als Männer? Für den „Sexreport“ zählen die sieben Protagonistinnen einen Tag lang mit …

Kapitel 3 – Der Mann: Was Männer von heute leisten müssen
Haben Männer tatsächlich nur Sex im Kopf? Der „Sexreport“ macht den Test: Ein weiblicher Lockvogel soll Männer zu einem spontanen Sex-Abenteuer verführen. Die „Opfer“: Jürgen (27), seit wenigen Monaten liiert. Till (31), Single. Wolfgang (52), frisch getrennt. Thomas (52), ebenfalls frisch getrennt. Und Stefan (38), homosexuell und glücklich liiert. Welcher der fünf Männer lässt sich auf das Sexangebot ein? Die Männer selbst kommen in der Doku zu Wort: Offen erzählen sie, was für sie guter Sex ist und wie sie mit Erektionsproblemen und anderen Sexpannen umgehen.

Kapitel 4 – Jugendliche: Wie reif ist unsere Jugend wirklich?
Laut Online-Studie halten sich 97% der 14-Jährigen für aufgeklärt. Fest steht: Die heute 14- bis 18-Jährigen haben im Internet, Fernsehen und Magazinen mehr Sex gesehen als jede Generation vor ihnen. Doch heißt alles gesehen auch alles kapiert? Sieben Teenager sagen ihre Meinung zu Liebe und Sex, dem ersten Mal, Internet-Pornos und Körperkult. Sven Warminsky gibt Aufklärungsunterricht an deutschen Schulen. Er stellt die Teenies auf die Probe: Wissen sie, wann eine Frau schwanger werden kann oder wie man ein Kondom richtig entsorgt?

Kapitel 5 – Beziehungen: Wie bleibt die Liebe leidenschaftlich?

Swinger-Club, Amateur-Pornos, Online-Dating – nie zuvor war das Sexleben der Deutschen so frei wie heute. Trotzdem wünscht sich die große Mehrheit einen Partner fürs Leben, wie die Online-Studie ergab. Aber mit der Dauer der Beziehung nimmt die sexuelle Leidenschaft ab und verleitet zum Trennungsgrund Nummer eins, dem Seitensprung. Gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma? Der renommierte Therapeut Ulrich Clement gibt Antwort und leitet vier Paare durch einen unkonventionellen Liebes-Parcours.

Oswalt Kolle: „Wir glauben heute, frei von Zwängen und Verklemmtheit zu sein“, so Kolle. „Aber auch unsere Zeit hat ihre Tabuthemen. Deshalb freue ich mich, bei dieser Doku mitzuwirken. Sie hat das Potenzial, die Auseinandersetzung mit unserer persönlichen Sexualität neu anzustoßen. Wer guten Sex haben will, muss darüber sprechen – immer und immer wieder.“

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Interview mit Prof. Jakob Pastötter

Prof. (US) Dr. Jakob Pastötter ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS), deren Sitz Düsseldorf ist. Der 43-Jährige studierte Kulturanthropologie an der Universität Regensburg und promovierte nach einem mehrjährigen Forschungsaufenthalt am Kinsey Institute an der Humboldt Universität Berlin.

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Interview mit Prof. Jakob Pastötter

Von 2001 bis 2003 war er dort stellvertretender Direktor des Magnus Hirschfeld Archivs für Sexualwissenschaft.

Seit 2003 ist Jakob Pastötter Professor an der American Academy of Clinical Sexologists. Daneben engagiert sich der Spezialist für Sexualforschung als Mitherausgeber der International Encyclopedia of Sexuality und der wissenschaftlichen Zeitschrift „Sexuality and Culture“. Jakob Pastötter war maßgeblich an der Erstellung des Fragebogens und Analyse der statistischen Auswertung der Sexstudie 2008 beteiligt.

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Die erfolgreiche Pro7-Reihe SEXREPORT erscheint im Frühjahr 2011 auf DVD
1. Wie lange haben Sie im Vorfeld an der Studie gearbeitet?
J.P.: Der eigentliche Startschuss fiel im Juli 2007. Anlässlich des 80sten Geburtstags von Oswalt Kolle und des 40-jährigen Jubiläums seiner Aufklärungsfilme wollte ProSieben eine fünfteilige Dokumentation produzieren. Inhalt sollte eine Bilanz von 40 Jahren sexueller Aufklärung sein. Da Oswalt Kolle selbst Mitglied der DGSS ist, lag es für ihn nahe, das Präsidium um seine Mitwirkung zu bitten. Wir stellten unsere wissenschaftliche Expertise und unsere internationalen Kontakte für eine Studie zur aktuellen Sexualität in Deutschland daraufhin gerne zur Verfügung. Die Studie basiert in Ihren Grundzügen auf der Arbeit am Deutschlandkapitel der International Encyclopedia of Sexualität 2001 und 2002. Im Zuge dieser Arbeit musste allerdings festgestellt werden, dass viele bisherige Umfragen zur Sexualität entweder nur Teilaspekte von Sexualität behandelt bzw. nur Teile der Bevölkerung untersucht hatten, oder auf Grund methodischer Schwächen als wenig aussagekräftig zu bewerten waren. Mit unserer Herangehensweise haben wir versucht, diese Fehlerquellen auszuschließen.

2. Nach welchen Kriterien haben sie die Fragen ausgewählt?
J.P.: Zum einen haben wir uns Oswalt Kolles Filme angesehen, um herauszufinden, was ihn und sein Publikum damals bewegte. Zum anderen konnten wir auf die gewachsene Erfahrung der International Encyclopedia of Sexuality, deren Mitherausgeber ich bin, zurückgreifen. Sie sammelt seit fast 20 Jahren das Wissen Hunderter von Experten aus über 60 Ländern. Wir haben die standardisierte Gliederung für unseren eigenen Fragebogen adaptiert und ergänzt. Dabei war es uns wichtig, dass die Reihenfolge und Formulierung der Fragen dem Bedürfnis der Befragten entgegenkommt. Sie sollten sich ernst genommen fühlen, aber auch Spaß an der Beantwortung haben.

3. Warum haben sie das Internet als Medium gewählt?
J.P.: Wir waren von Anfang an davon überzeugt, dass das einzig richtige Medium für eine Studie zur Sexualität von heute das Internet ist. Studienteilnehmer fühlen sich hier gleichzeitig persönlich angesprochen, aber auch anonym genug, um ehrliche Antworten zu geben. Face-to-Face-Situationen oder Telefoninterviews bieten diesen Vorzug nicht.

4. Wie werten sie die Ergebnisse aus?
J.P.: Die Analyse erfolgt mittels deskriptiver Statistik. Darunter versteht man die Techniken, mit denen eine Menge von beobachteten Daten summarisch dargestellt warden. Von der Stichprobe wird also auf die Grundgesamtheit geschlossen. Darüber hinaus werden aber auch die Unterschiede zwischen einzelnen Gruppen untersucht, u.a. mit dem Chi-Quadrat-Test und dem t-Test. Untersuchte Parameter sind dabei u.a. die stochastische (Un)abhängigkeit von Variablen (Methode: Chi-Quadrat-Test für kategoriale Merkmale, z.B. Geschlecht) sowie die systematische Unterscheidung der Mittelwerte (Methode: t-Test für metrische Merkmale, z.B. Alter).
Selbstverständlich wird auch auf die Stringenz der Antworten geachtet und offensichtliche „Spaßantworten“ werden vor der Auswertung eliminiert. Davon gab es aber kaum welche.

5. Wie repräsentativ ist die Studie?
J.P.: Wir wollten mit unserem Fragebogen möglichst viele Menschen erreichen – vor allem auch jene, die bei den so genannten repräsentativen Erhebungen durch das Raster fallen, weil Sie die üblichen Fragebogen und Interviews als langweilig und zu wenig auf sich selbst bezogen empfinden. Unsere Befragung sollte Teilnehmern das Gefühl geben, dass wir an ihrer ganz eigenen und individuellen Erfahrung von Sexualität in ihrer Gesamtheit interessiert sind.
Ein Manko vieler Umfragen zur Sexualität ist die Annahme, dass sich ein repräsentatives Ergebnis nach denselben Kriterien bilden ließe wie bei der Konsum- oder Meinungsforschung. Sexualität hat aber – anders als z.B. Parteizugehörigkeit oder die Vorliebe für Fitness-Riegel – nichts oder doch sehr wenig mit den üblichen sozialen Parametern zu tun. Mit anderen Worten: der Bankangestellte X, kann eine völlig andere Sexualität haben als der Bankangestellte Y, obwohl beide in vergleichbaren sozialen Verhältnissen leben und dieselben religiösen und ideologischen Wertvorstellungen teilen. In der statistischen Auswertung versuchen wir, falschen Verallgemeinerungen entgegen zu wirken, indem wir Kriterien wie Alter und Geschlecht als Filter benutzen. Wir Wissenschaftler geben dem Medianwert gegenüber dem Meanwert den Vorzug, da er robuster gegen Ausreißer sowohl nach oben als auch nach unten ist. In dem Medien oder bei Umfragen durch Konsum- oder Meinungsforschungsinstituten ist es allerdings üblich, den Meanwert anzugeben, weil dieser die spektakuläreren Zahlen liefert. Folgendes Beispiel illustriert den Unterschied: Wenn ich das Einkommen von Bill Gates in das Durchschnittsgehalt bei Microsoft mit einrechne, erhalte ich eine andere Zahl (=Meanwert), als wenn ich nur angebe, was das mittlere Gehalt der Mehrheit der dort Beschäftigten ist (=Medianwert). Beide Ergebnisse sind jedoch wissenschaftlich korrekt.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das Sample äußerst robust ist. Bei über 50.000 vollständig ausgefüllten Fragebögen ist es möglich, selbst für die unterdurchschnittlich repräsentierten Altersgruppen noch statistisch zuverlässige Aussagen zu treffen.

6. Sind wir heute sexuell aktiver als vor 40 Jahren? Welche Tendenzen haben Sie festgestellt?

J.P.: Unsere Studie ist nicht vergleichend angelegt. Das liegt vor allem daran, dass uns schlicht keine zuverlässigen Zahlen zur Sexualität 1968 vorliegen. Darüber hinaus ist es generell wissenschaftlich problematisch oder zumindest fragwürdig, Sexualität zu quantifizieren. Ist z.B. der sexuell aktiver, der dreimal die Woche vaginalen Geschlechtsverkehr für jeweils fünf Minuten hat oder derjenige, der einmal die Woche zwei Stunden lang beim Sex-Chat masturbiert?

7. Welchen konkreten Nutzen ziehen sie als Wissenschaftler aus den Daten?
J.P.: Ich denke, dass die Auswertung unseres Fragebogens ein realistisches Schlaglicht auf die sexuellen Verhältnisse in Deutschland wirft. Damit meine ich vor allem, dass wir deutlich machen können, dass Sexualität etwas ungeheuer Komplexes ist. Sie unterliegt vielen verschiedenen Einflüssen, die von uns zu einer eigenen und unverwechselbaren sexuellen Identität geordnet werden. Oft werden solche Umfragen zur Festsetzung einer vermeintlichen „Normalität“ benutzt, die nichts oder nur wenig mit den sexuellen Erfahrungen des Einzelnen zu tun hat. Unsere Daten geben ein differenzierteres und umfassenderes Bild von Sexualität, weil wir viele Aspekte, die Einfluss auf sie nehmen und auf die sie zurückwirken, eingebunden haben.

8. Welches Ergebnis hat sie am meisten überrascht?
J.P.: Positiv überrascht hat uns die rege Teilnahme vor allem von Jugendlichen und jungen Erwachsenen und der extrem hohe Anteil an vollständig ausgefüllten Fragebögen, für die immerhin jeweils etwa eine Stunde Zeit nötig war. Nach den Erfahrungen von Konsum- und Meinungsforschern und den Lehrbüchern der Kommunikationswissenschaft hätte gerade die jüngere Zielgruppe schon nach spätestens 10 Minuten gelangweilt aufgeben müssen.

9. Welches Ergebnis war für Sie am wenigsten überraschend?
J.P.: Es sind mindestens zwei Ergebnisse, die wir genau so erwartet haben, weil sie uns auch in der Sexualtherapie immer wieder begegnen: Es gibt in der Tat einen engen Zusammenhang zwischen der Fähigkeit sexuelle Bedürfnisse dem Partner mitzuteilen und der eigenen lustvollen Erfahrung von Sexualität. Außerdem gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Pornographiekonsum und der Erwartungshaltung was die eigenen Genitalien und die des Partners betrifft. Ich spreche hier von Größe und Form, aber auch von der Praxis des Rasierens der Genitalien.

10. Ihre Prognose: Was wird der Sex der Zukunft?

J.P.: Ein Quantifizieren von Sexualität ist wissenschaftlich unseriös, weil die Kategorien dafür fehlen. Äpfel (z.B. Masturbation) und Birnen (z.B. vaginaler Geschlechtsverkehr) lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen. Als langfristigen Trend kann aber sicher ein weiterhin zunehmender Zwang zum Selbstzwang konstatiert werden. Die Erwartungshaltung an unser eigenes „Funktionieren“ als sexuell aktiver Mensch wird ebenso zunehmen wie das Bedürfnis, die Realität nach unseren sexuellen Phantasien zu formen. Frustrationen sind dann vorprogrammiert. Das Rezept dagegen hat Oswalt Kolle schon vor 40 Jahren verraten: Das Akzeptieren der eigenen sexuellen Bedürfnisse – ohne Druck und ohne sich an anderen zu messen.

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Oswald Kolle Sexreport

Interview mit Oswalt Kolle

„Wir glauben heute, frei von Zwängen und Verklemmtheit zu sein“, so der Aufklärer Oswalt Kolle. „Aber auch unsere Zeit hat ihre Tabuthemen. Deshalb freue ich mich, bei dieser Doku mitzuwirken. Sie hat das Potenzial, die Auseinandersetzung mit unserer persönlichen Sexualität neu anzustoßen. Wer guten Sex haben will, muss darüber sprechen – immer und immer wieder.“ Oswalt Kolle

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Oswald Kolle im Interview
1. Wie wurde in Ihrem Elternhaus mit Sexualität umgegangen?
O.K.: Mein Vater war Psychiater und er sagte oft: „Wir Psychiater müssen die Neurosen behandeln, die eine sexuell verkrüppelten Gesellschaft hervorgebracht hat.“ Deswegen hat er meinen Bruder und mich außerordentlich tolerant und offen erzogen.

2. Wer hat Sie aufgeklärt?
O.K.: Ein Freund meines Vaters, Prof. Schulz. Der Mann übrigens, der das autogene Training erfunden hat. Er hat uns klar gesagt, was Sache ist. Mein Vater war zu der Zeit im Krieg.

3. Was war die Einstellung zur Sexualität, als Sie anfingen, mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen?
O.K.: Ende der 50er-Jahre lebten die meisten Menschen eine fantasielose, erdrückende Sexualität. Alles, was von der Missionarsstellung abwich, galt als pervers. Unverheiratete durften nicht gemeinsam in einem Zimmer Übernachten, und Kondome nur an Ehepaare verkauft werden. Frauen hatten Angst, dem Mann ihre sexuelle Lust zu zeigen. Die gängige Meinung war damals: Frauen hatten keine Lust! Frauen haben das ertragen. Männer hatten Lust.

4. Was war ihre erste Veröffentlichung zum Thema Sexualität?
O.K.: 1957 habe ich eine Serie in der Berliner B.Z. geschrieben. Es ging um ein junges Paar, das sich fragt: „Sollen wir miteinander schlafen und wenn ja, wie verhindern wir, dass ein ungewolltes Kind entsteht?“ Das war ein Thema, was mich als jungen Mann natürlich auch beschäftigt hat. Es gab einen Skandal innerhalb des Hauses Ullstein. Der alte Herr Ullstein hat die Geschichte als Schweinerei bezeichnet.

5. Was hat sie dazu gebracht, trotzdem weiterzumachen?
O.K.: Die Reaktion der Leser. Auf eine Serie über den Mann, die ich in der XY veröffentlicht habe, bekam ich knapp 40.000 Briefe, vor allem aber von Frauen, die ihren Frust über ihr unerfülltes Sexualleben ausgedrückt haben. Die meisten Männer wussten nicht, wie man einer Frau im Bett Lust bereitet. Kein Wunder, denn die wenigsten Frauen kannten ihren eigenen Körper gut genug, um den Männer das erzählen zu können. Da wusste ich: das muss sich ändern – um jeden Preis.

6. Wie kamen Sie dazu, Ihre heute legendären Aufklärungs-Filme zu machen?
O.K.: Ich habe festegestellt, dass meine Artikel über Sexualität hauptsächlich von Frauen gelesen werden. Da dachte ich mir: Mach’ Filme. In Filme gehen Frauen und Männer eher zusammen.

7. Sind Sie der Meinung, dass mit der sexuellen Befreiung der Frau auch die Sexualität des Mannes an Qualität gewonnen hat?
Mit einer Frau zu schlafen, die offensichtlich Spaß daran hat, ist natürlich auch für den Mann befriedigender, als mit einer Partnerin im Bett zu sein, die den Akt nur erduldet. Ich bin mir sicher, dass Sex mit einer selbstbewussten und lustvollen Frau die allermeisten Männer viel mehr antörnt.

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Die erfolgreiche Pro7-Reihe SEXREPORT erscheint im Frühjahr 2011 auf DVD

8. Wie sehen Sie die sexuelle Entwicklung der letzten 40 Jahre? Was hat sich verändert?

O.K.: Wir reden offener, wir sind toleranter. Das Miteinander zwischen Männern und Frauen klappt besser, als ich es mir je vorgestellt hätte.

9. Welchen Einfluss haben moderne Medien wie Fernsehen und Internet Ihrer Meinung nach auf unsere Sexualität?
O.K.: Es wird viel Unsinn über Sexualität erzählt und über die modernen Medien verbreitet sich dieser Unsinn schneller als es vor 40 Jahren der Fall gewesen wäre. Aber zum Glück verbreiten sich die guten, informativen Beiträge zu diesem Thema genauso schnell – und das ist ein durchaus positiver Effekt. Jeder kann ja selbst entscheiden, was er sich in Fernsehen und Internet ansieht.

10. Ihre Prognose: Wie wird unser Sex in 20 Jahren aussehen?
O.K.: Ich hoffe noch schöner, noch lebendiger, noch fantasievoller als heute.

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ATB - THE DJ 6 ­ In The Mix Cd Cover

ATB THE DJ 6 – In The Mix

André Tanneberger ist nicht nur ein begnadeter Produzent und Songwriter, vor allem ist er einer der besten und erfolgreichsten DJs weltweit – und dies nun schon seit über einem Jahrzehnt.

ATB - THE DJ 6 ­ In The Mix Cd Cover
ATB - THE DJ 6 ­ In The Mix

Kaum ein anderer DJ versteht es derart, seine eigenen Songs glaubhaft in die Sets einzubauen und gekonnt mit angesagten Tracks der Dance- und Clubszene zu kombinieren.

Seine Auftritte sind einzigartig, ATB zelebriert sie förmlich.

Auf allen Kontinenten ist André Tanneberger ganzjährig als DJ unterwegs.

Bei Großevents wie Global Gathering, Creamfields, Loveparade, Mayday, Sunrise Festival, Electric Zoo, Nature One oder dem Electric Daisy Festival wird ATB seit Jahren als Headliner geführt.

Nicht umsonst haben die Leser und Redakteure des international führenden Dance-Magazins DJ Mag ATB zum zweiten Mal hintereinander auf Platz 11 in die Top 100 der weltweit beliebtesten und erfolgreichsten DJs gewählt!

Auch wenn gerade seine Live-Sets ein absolutes und intensives Erlebnis sind, schafft es André mit seiner DJ-Compilationreihe „ATB The DJ – In The Mix“, das Feeling und die Atmosphäre seiner Arbeit auch auf CD einzufangen. Punktgenau zum Jahresende erscheint die sechste Ausgabe seiner erfolgreichen DJ-Edition.

Wie schon beim Vorgänger kommt die Compilation als 3 CD-Set und entsprechendem Download-Paket auf den Markt. CD 1 und 2 spiegeln wie gewohnt den aktuellen DJ-Stil und die bevorzugten Tracks aus seiner aktuellen Setlist wider.

Hier zeigt ATB einmal mehr seine über die Jahre perfektionierten Mix-Skills. Natürlich gibt es wieder brandneue ATB-Tracks – u.a. die neue Single „Twisted Love“ – und exklusive neue ATB-Mixe (u.a. ein neuer Mix von „Ecstasy“), die bereits weltweit von den Fans auf seinen Live-Sets abgefeiert werden.

CD 3 wartet diesmal mit einem gekonnt zusammengestellten ATB Classix Mix auf. Auch hier zeigt ATB sein ausgeprägtes Gespür für das richtige Zusammenwirken der Tracks.

www.kontor.tv | www.atb-music.com |
www.myspace.com/andretanneberger

Crystal Classics

Mit Crystal Classics zieht ein weiteres hochwertiges Klassiklabel ins Haus der Delta Music & Entertainment ein.

Philippe Sautot, Geschäftsführer der Delta Music, erfüllt sich damit einen lang gehegten Wunsch.

Nach erfolgreichen Jahren mit dem Label Capriccio soll nun mit ähnlichem Konzept, einer Mischung aus Nischenrepertoire und populären Neuproduktionen, ein zukunftsweisendes Musikprojekt gestartet werden.

Der derzeit verfügbare Katalog lässt bereits aufhorchen. So findet sich neben CDs mit populären Sujets wie „Im Glanz von Sanssouci“, „Chopin – Meisterwerke“ und „Musikstadt Dresden“ vor allem hochinteressantes Nischenrepertoire.

Selten aufgeführte Werke der ganz Großen entdeckt man im Labelprogramm ebenso wie Exzellentes von weniger bekannten Komponisten.

Crystal Classics hat gleichermaßen etablierte Starinterpreten und noch zu entdeckende Nachwuchskünstler im Angebot. Ab sofort wird das Label pro Jahr zirka ein Dutzend neue Produktionen vorlegen.

Spannendes verspricht die Zukunft etwa mit einer hochkarätig besetzten Einspielung von Engelbert Humperdincks „Königskinder“ (Banse, Gerhaher, Schnaut, Metzmacher), dem Solodebüt von Bassbariton Hanno Müller-Brachmann und dem kompletten Klavierwerk des finnischen Komponisten Erki Melartin.

Mueller-Brachmann CD Cover

Müller-Brachmann: „Lieder • Songs“

Bassbariton Hanno Müller-Brachmann besuchte die Liedklasse von Dietrich Fischer-Dieskau und legte sein Konzertexamen bei Rudolf Piernay ab.

Mueller-Brachmann CD Cover
Müller-Brachmann: "Lieder • Songs"

Nach Erfolgen bei internationalen Wettbewerben gastierte er in Europa, Japan und den USA mit führenden Orchestern unter Dirigenten wie Barenboim, Rattle, Abbado, Harnoncourt und Masur.

Neben dem Oratorium und der Oper ist das Lied ein weiterer Schwerpunkt in seiner Sängerkarriere.

Auf seinem Solodebüt widmet sich Müller-Brachmann dieser Kunstform mit großer Ernsthaftigkeit und einem unbändigen Gestaltungswillen.

Die Goethe-Vertonungen von Ferruccio Busoni (1866 – 1924) beispielsweise deutet der deutsche Vokalist aus dem Lebensgefühl der Gegenwart heraus und wird dem Notentext der rund neunzig Jahre alten Lieder doch in jedem Moment gerecht.

Seine Interpretationen sind zeitgemäß und traditionsverbunden zugleich. Busoni vertonte die Goethe-Texte übrigens eher konventionell in der Nachfolge der klassisch-romantischen Song-Schule, mit seinen radikalen musiktheoretischen Schriften wie dem „Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst“ haben sie kaum etwas gemein.

Die von Arnold Schönberg (1874 – 1951) ausgewählten Lieder zeichnen dessen Entwicklung als Komponist zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach.

Während seine frühen Levetzow-Lieder noch dem Erbe eines Johannes Brahms verpflichtet sind, bewegt sich der Zwölftonpionier in der Ballade „Der verlorene Haufen“ von 1906 mit mehrdeutigen Akkorden bereits mutig am Rande der Tonalität.

Die „Sechs Lieder für Bassstimme und drei Instrumente“ von Michael Gielen (*1927) zuguterletzt verarbeiten laut eigener Aussage die geistig-künstlerische Vergangenheit des Komponisten.

In dem autobiographisch angetriebenen Werk befreit sich Gielen aus dem Wirkungskreis von Vorbildern wie Anton Webern und dokumentiert zugleich seine Bindung an und die Ablösung von den Religionen.

Als junger Mann waren diese Lieder für ihn ein Akt der Selbstfindung, er löste sich von Tradiertem und fand zum eigenen Stil. Völlig zu Recht sagt Gielen selbst aus heutiger Sicht über das Opus: „Ich zähle diese sechs Lieder noch heute, sechzig Jahre später, zu einem meiner gelungensten Werke.“

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